" Zu Wasser und zu Land, aktiv sein im Ruhestand "

  Seereise mit dem Trimaran   

" Kreuz und quer durchs westliche Mittelmeer "

          

                             Hoch und trocken                                                                                      zurück ins nasse Element

 Bei unserem letzten Törn wurde das Vorsegel eingerissen und wir hatten das gute Stück über Winter einem Segelmacher zur Reparatur gegeben. Leider hatte der gute Mann unsere Bitte um pünktliche Fertigstellung vergessen. Er versprach jedoch die Genua in einer Woche fertig zu haben. Als auch nach, der Indienststellung unserer "Dragonfly 1000"  das Segel nicht verfügbar ist, beschließen wir die Wartezeit für eine Umrundung von Mallorca zu nützen.                 Wir -  das ist meine Frau Elo und ich - werden der Not gehorchend, mit dem für Leichtwind gedachten Genacker segeln.

 

"allez hop" am Wind

Am 14.09.99 starten wir in Sa Rapita. Der Wind kommt mit 12 Knoten (4 BFT.) aus SSE. Zunächst müssen wir Kreuzen, kommen jedoch trotz des Genackers gut voran. Knapp 6 Stunden später haben wir Puerto Christo erreicht, wo wir am Steg festmachen. Da wir gut in der Zeit liegen, besuchen wir die Tropfsteinhöhlen von Coves del Drac.

Am nächsten Morgen segeln wir unter moderaten Bedingungen zur gut belegten Marina Alcudiamar. Während wir beim Essen sind, quetscht sich eine dicke Motoryacht neben unserem Boot in eine Lücke. Offenbar stört dabei unser Kugelfender. Als wir zurück sind, ist der schützende Puffer weg und unsere Bordwand scheuert an einer Kante des Nachbarn. Erst nach langer Suche, finden wir den am Ende des Hafenbecken treibenden Fender wieder.  Sitten sind das ...

Am 16.05.99 machen wir einen kurzen Abstecher nach Puerto Pollensa. Da hier alles überfüllt ist, ankern wir vor dem Hafen und pullen mit den Beiboot an Land. Bei dem ausgiebigen Stadtbummel treffen wir zufällig  unseren alten Segellehrer, der uns vor 20 Jahren ausgebildet und sofort wieder erkannt hat.  Durch den ungeschützten Liegeplatz liegen wir voll im Schwell.  Das muss nicht sein. Wir kehren aufs Schiff zurück, nehmen die Segel hoch und segeln zurück nach Alcudia. Beim obligaten Boots-check stellen wir fest, dass die Schwerttalje blockiert ist. Dank unserem Ersatzteillager können wir den gebrochenen Bolzen ersetzen.

                              

                                        Capo Formentor                                                                                    Mallorca Nordküste

Am 17.05.99 kommt der Wind aus NE und weht mit 17 Konten (5 Bft.). Da wir hoch am Wind segeln müssen, mache ich mir Sorgen um unsere Leichtwindgenua. Beim Runden von Capo Formentor werden wir von heftigen Kreuzseen durchgeschüttelt. Dabei bricht der Block eines Bullenstanders, den wir mit einem Tampen entlasten können. Bei guter Fahrt segeln wir raumschots die NNW Küste von Mallorca entlang. Spät am Nachmittag tauchen wir in die traumhaft schöne Naturkulisse von Puerto Sôller hinein. Hier haben wir Glück und  können wir vor Heckanker mit Vorleinen an der Pier festmachen.

 

Puerto Sôller

Heute legen wir einen Landtag ein und fahren mit dem legundären "roten Blitz" gemächlich nach Palma. Hier erkunden wir mit einer Pferdekutsche  die Altstadt und bummeln über die Boulevards der Balearenhauptstadt. Am Abend kehren wir müde auf unsere schwimmendes Zuhause nach Sôller zurück.

Am 19.05.99 segeln wir bei mäßiger Sicht und leichtem SE Wind an der Insel Dragonera vorbei und machen einen Badestopp in der Ankerbucht von San Telmo.  Beim Versuch den Anker auf zu holen gibt es ein Problem. Ein Tauchgang zeigt, dass sich unser "Fortress" Anker in 7 m Tiefe hoffnungslos zwischen dem Felsengewirr verkeilt hat. Trotz aller Mühe müssen wir das Ankertau kappen und den Anker aufgeben. Danach segeln wir nach  Puerto Andraitx, wo wir am Wartekai festmachen können.

    

                                                  Bei 18 Knoten SW Wind segeln wir am 20.05.99  nach Puerto  Portals. Obwohl hier eine ganze Reihe Liegplätze frei sind, werden wir sehr unfreundlich abgewiesen. In dieser exclusiven Marina darf man offensichtlich nur mit einer dicken Motoryacht anlegen.  Wir ankern im Schutze des Wellenbrechers vor dem Hafen auf 5 m Wassertiefe. Mit dem Schlauchboot setzen wir über und sehen uns im nahegelegenen "Marineland" eine unterhaltsame Definshow an.

Nach dem "Anker auf" verholen wir uns am nächsten Morgen nach El Arenal.  Hier findet zur Zeit die Weltmeisterschaft der 470er Klasse statt. Mit Glück bekommen wir in dem Gewimmel einen Liegeplatz. Am Abend treffen wir uns mit Segelfreunden aus der SZV Klasse. Gottlieb und seine Frau wohnen zeitweise auf Mallorca. Sie laden uns zum Essen ein und wir verzehren eine köstliche Lammschulter und verleben einen schönen Abend.

Am  22.05.99  : Motor an, Leinen Los, im Vorhafen die Schwimmer ausklappen, Segel hoch, Motor aus, Kurs Sa Rapita.  Dort hat man uns am Kopf eines Steges einen Platz reserviert. Der Segelmacher teilt uns freudig mit, dass unsere Genua wieder einsatzfähig ist. Wir sind erleichtert, denn jetzt steht unserm Törn nichts mehr im Wege.

                       

                                      Marina                                                     Sa Rapita                                              Bucht

Am nächsten Morgen schlagen wir das reparierte Vorsegel an, kalibrieren alle elekrischen Systeme, und legen bei 9 Knoten W-Wind ab.  Auf Höhe der Insel Cabrera bekommen wir einen Funkkontakt mit Clubkameraden.  Der heimatliche Segelverein ist mit 6 Charterschiffen zu einer Inselumrundung unterwegs. Wir ändern den ursprünglichen Plan und segeln der Flottille entgegen.  Zwischen Capo Blanco und Cala Pi  begegnen wir uns mit großem Hallo.  Wir geleiten die Schiffe nach Sa Rapita und verbringen zusammen einen fröhlichen Abend.

                           

Am 24.05.99 zieht die Segelkarawane weiter. Bei 12 Knoten SSE-Wind kreuzen wir zur SE-Ecke von Mallorca, runden diese und segeln bei einer Backstagsbrise nach Puerto Christo, wo wir nach 8 Stunden anlegen.

Am nächsten Tag werden die Segelduelle bei einem leichten ENE-Wind fortgesetzt. Wir setzen unseren Genacker und ziehen davon.  Als am Cabo del Freu  der Wind etwas auffrischt, setzen wir uns ab und die Kameraden verschwinden hinter der Kimm. Wir machen beim Club Nautico in Alcudia  fest, melden uns an, duschen und warten auf die nach und nach eintreffenden Schiffe  der HSK-Flotte.

Am 26.05.99 verabschieden wir uns von den Clubkameraden und segeln weiter in Richtung Menorca.  Eigentlich wollen wir an der Nordseite der Insel eine geeignete Wetterlage abwarten, um problemlos den Nordteil von Korsika erreichen zu können.  Doch der aktuelle Wetterbericht und die bestehende Windrichtung ermutigen uns, dieses berüchtigte Seegebiet - bei Mistral können hier bis zu 12 m hohe Wellen auftreten - zügig zu überqueren. Zwar steht uns nördlich von Menorca eine ruppige See entgegen, doch dann werden die Wellen länger und wir kommen gut voran. Nach 24 Stunden haben wir ein Etmal von 195 Sm gesegelt.

                      

                         Sonnenuntergang                                                                                                     Sonnenaufgang

Vor Korsika dreht der Wind  und kommt von vorne.  Obwohl uns das Kreuzen etwas aufhält, erreichen wir nach 48 Stunden und einer Strecke von 360 SM, am 28.05.99, den idyllischen Port Sant Ambroggio.

                                        

                                                                                                  Port Sant Ambroggio

Eigentlich wollen wir hier Segelfreunde treffen.  Heiko, eine Regattalegende der Zugvogel-Klasse, lebt in den Sommermonaten hier und hatte uns zu einem Besuch eingeladen.  Doch durch unsere vorgezogene Überfahrt konnten wir uns nicht rechtzeitig ankündigen.  Dem gemäß ist leider die Tür verschlossen.

Seit Tagen macht unser mit Diesel betriebene Herd Probleme. Durch ein Leck tritt Kraftstoff aus und wird unter Deck vernebelt.  Alle Dichtungsversuche der kommenden Wochen bleiben erfolglos., so dass während der gesamten Reise die Bordküche kalt bleibt.                                                                               Wir mieten uns in Calvi  ein Auto und erkunden den Nordwesten von Korsika. Von der wild-herben Landschaft, der duftenden Natur und den wunderschönen Panoramen sind wir voll begeistert.

          

                        Zitadelle von Calvi                                                                     Durchfahrt zwischen Korsika und Ile de Gargalo   

Am 30.05.99 verlassen wir den kuscheligen Hafen von Sant Ambroggio,  lassen die malerische Kulisse von Calvi  und der Pte. Revellata  an Backbord liegen und segeln an der bizarren Küste entlang gen Süden. Nach der Passage der Iles Sanguinaires erreichen wir Ajaccio, wo wir Porto Tino Rossi festmachen.

Am folgenden Tag machen wir einen Stopp in der Anse de Campo Moro,  einem schönen, jedoch nach Norden offenen Ankerplatz.  Wegen den  hier oft drehenden Winden muss ein zweiter Anker ausgebracht werden.  Bei früheren Besuchen hatten wir in Strandnähe immer gut gegessen.  Leider gibt es dieses Lokal nicht mehr.

Am 01.06.99 legen wir bei einem leichten SE-Wind ab und segeln der Straße von Bonifacio entgegen. Bevor wir dei Höhe von Cap de Feno erreichen, sind voraus überall Schaumköpfe zu sehen, die sich immer mehr zu Kämmen entwickeln. Sofort reduzieren wir die Segelfläche und gurten uns an. Mit dem Runden des Kaps nach Ost, dreht auch der Wind nach dort. Es wird eine harte Kreuz.  Der jetzt mit 29 Knoten (7 Bft.) wehende Wind  wird durch heftige Fallböen bis 38 Knoten (8 Bft.) verstärkt.  Die See ist kurz und steil. Die Wellen laufen gefährlich durcheinander. Ständige Winddrehungen und die fliegende Gischt machen die Sicht, und damit die Ansteuerung recht schwierig. Plötzlich, wie von Zauberhand, öffnen sich an der Pte. de la Madonette  die Kreidefelsen und geben den fjordähnlichen Einschnitt zum Hafen von Bonifacio frei. In der Abdeckung der imposanten Einfahrt können wir kurz aufatmen. Doch als die Zufahrt nach Ost abbiegt, bläst es uns wieder mit 30 Knoten entgegen. Das Anlegen unter solch böigen Verhältnissen ist  mit einem Swing-Wing Trimaran sehr schwierig. Denn  die Seitenschwimmer sollen nur bei ruhigem Wasser angeklappt werden. Doch wir haben keine Wahl und trotz der kleinen Crew geht alles gut.  Beim Anlegen an die Pier bei Murringleinen, fehlen halt immer ein paar Hände.

   

                             Zufahrt                                                     Bonifacio                                         Hafen

Der einzigartige Naturhafen und die auf einem 70 m hohen weißen Kreidefelsen liegende Oberstadt müssen unbedingt erkundet werden. Unser Rundgang durch die am Hafen gelegenen Kneipen und Straßencafés, sowie durch die hoch oben gelegene Altstadt mit der von dicken Mauern umgeben Zitadelle und die faszinierenden Ausblicke auf die Seestraße, erklären die magische Athmosphäre von Bonifacio.

        

                           Ausfahrt                                                                                            über die Straße von Bonifacio

 Am 03.06.99 überqueren wir, bei einer südwestlichen Brise, die Straße von Bonifacio und segeln auf der "inneren Route" zwischen den vorgelagerten Inseln und der Costa Smeralda, zur Ostseite von Sardinien. Die Inseln Tavola und Molara, sowie einige Unterwasserriffe lassen wir backbord liegen. Am späten Nachmittag erreichen wir bei mäßigem östlichen Wind  Porto Ottiolu, einem schön gelegenen Privathafen mit guten Versorgungsmöglichkeiten.

Laut Wetterbericht ist WSW-Wind zu erwarten. Pustekuchen ... stattdessen weht uns ein frischer SE-Wind entgegen. Eine parallel segelnde  "Super-Maramu" bietet sich zu einem Segelduell an. Doch das erheblich größere Schiff hat gegen unseren Tri keine Chance. Wir erreichen mit einem riesigen Vorsprung den Industriehafen von Arbatax.  Kaum haben wir am Schwimmsteg der kleinen Marina festgemacht, begrüßt uns der sardische Eigner einer "Dragonfly 1000". Es ist schon ein großer Zufall, dass sich zwei baugleiche  Exoten begegnen. Insgesamt sind nur 3 Exemplare dieser Art im Mittelmeerraum unterwegs.

Begegnung

Auch am 05.06.99 weht der Wind wieder von vorne. Unser Gegner von gestern, nutzt die Erfahrung des Vortages und sucht den direkten Weg unter Motor.  Gemäß unserem Grundsatz "bei Wind wird gesegelt", nehmen wir den Umweg einer Kreuzstrecke in Kauf.  Diesmal ist natürlich die "Super Maramu" vor uns in Porto Corallo. Diese geschützte Marina ist eine Baustelle. Es gibt hier weder Wasser, noch Strom oder sonstige Versorgungsmöglichkeiten. In dem riesigen Hafen liegen nur drei Yachten                                                                                                                                            Als am nächsten Morgen Elo  einer "Contest 43" beim Ablegen behilflich ist, wird sie gefragt: "Ob sie eine Yacht mit dem Namen Papillon kennt ?" Da dies der Name unseres früheren Schiffes war, schaut Elo verblüfft auf und erkennt Inge und Bernd.  Zwei Segelfreunde, die wir seit 15 Jahren vermissen ! Die Beiden sind seit 7 Jahren mit ihrem Schiff unterwegs. Die Freude ist groß und wir beschließen einen Hafentag einzulegen um das Wiedersehen gebührend zu feiern.

Wiedersehen nach 15 Jahren

Für das Thrrenische Meer  kündigt der Wetterbericht SE-Wind mit 6 Bft. an. Das wären zu unserem nächsten Ziel, nach Ustica, 180 Sm gegenan. Das muss nicht sein ... wir legen einen zusätzlichen Hafentag an. Für Inge und Bernd, die gen Norden ziehen, erscheint die Prognose günstig.    Abschied !                      Später zeigt sich, dass die Wetterfrösche uns wieder einmal hereingelegt haben. Der "wahre" Wind kommt mit 4 Bft. aus NE.

Am 08.06.99 legen wir um 04:30 Uhr ab. Zunächst dümpeln wir bei umlaufendem Wind durch eine unangenehme Restdünung. Später stellt sich ein konstanter NE-Wind ein und läuft wie auf Schienen den Tag und die folgende Nacht hindurch.  Mit dem Sonnenaufgang erkennen wir am Horizont die Silhouette der  Isola die Ustica.

Sonnenaufgang über Ustica

Der kleine Inselhafen ist nach Osten offen und ungeschützt. Während wir an der kleinen Nordpier festmachen, hebt der Schwell einer vorbeifahrenden Fähre unser Boot an und wirft es an die Felsen. Dabei wird unsere Genackerrolle an einem Festmachering zerschmettert. Um den Leichtwind-genacker einsetzen zu können wird die Genackerrolle notdürftig gerichtet. Danach klettern wir über die vielen Treppen hinauf zu dem malerischen Inselstädtchen. Mit einer köstlichen "Zuppa di Pescatore" und einem guten Rosé stellen wir unser Wohlbefinden wieder her. Nach einem ausgiebigen Inselrundgang, kehren wir zum Schiff zurück. Dort erwartet uns eine schlaflose Nacht. Der Wind hat nach Ost gedreht uns die Welle läuft voll in den offenen Hafen. Da wir zwischen vielen Booten eingekeilt sind und einige Leinen das kleine Hafenbecken quer durchziehen, ist an ein Ablegen in der Dunkelheit nicht zu denken.

Ustica

 Am Morgen des 10.06.99, müssen wir mit viel Mühe unseren Heckanker von vielen Leinen befreien. Der Wind und die Welle kommt immer noch aus Ost. Mit Unbehagen klappen wir in dem mächtigen Schwell unsere Schwimmer aus und verlassen erleichtert den unsicheren Hafen. Unser nächster Wegpunkt sollen die Liparischen Inseln sein. Leider dreht der Wind immer mehr in unsere Kursrichtung. Nach zwei schlaflosen Nächten, ist die Aussicht auf eine lange Kreuzstrecke und eine weitere Nachtfahrt, nicht sehr erbaulich. Die See wird immer ruppiger und der Wind geht über 25 Knoten (6 Bft.) hinaus. Plötzlich ein Ruck ... und das Großsegel killt. Die Umhüllung vom Großfall ist gerissen. Wir müssen das Großsegel bergen und ändern den Kurs in Richtung Sizilien.   Mit Hilfe der Genua und später unter Motor erreichen  wir  Palermo.

        

                          Marina  Villa Igiea                                                                           Blick über Palermo

In der Marina Villa Igiea werden sehr freundlich empfangen. Sofort klettert ein junger Segelmacher unseren Mast bis zum Topp hoch und scheert ein neues Großfall ein. Da in der Marina keine Tankstelle vorhanden ist, begeben wir uns auf die Suche um unsere Kanister aufzufüllen. Wir erfahren, dass die nächste Möglichkeit einige Kilometer entfernt ist. Auf dem Weg dorthin, werden wir von einem älteren Mann angesprochen, der unser Problem erkennt. Er holt sein Auto herbei, packt unsere Kanister ein, fährt zur Tankstelle, füllt sie mit Diesel auf und bringt uns zum Schiff zurück. Ein Trinkgeld für seine Mühe, weist er entschieden zurück.                            Einige Reparaturen, Ölwechel sowie große Wäsche stehen an. Wir bleiben zwei Tage und geniesen die selten erlebte Hilfs- und Gastfreundschaft der Sizilianer. Ein ausgiebiger Rundgang durch das lebendige und interessante Palermo, führt uns durch die Magazin-Gassen der Altstadt, an eindrucksvollen Palazzos und Kirchen vorbei. Besonders beeindruckt hat uns die auf den Bergen liegende Basilica Monreale.

Thunfisch im Sprung

 Am 13.06.99  machen wir die Leinen los und segeln bei einem frischen NE-Wind am berüchtigten Capo Callo und Capo Vito vorbei zur Westspitze von Sizilien .  Die hier herrschenden  veränderlichen Winde und Strömungen erschweren das Freisegeln einiger Untiefen .  Wegen der vielen Unterwasserfelsen  muss daher die Ansteuerung von Trapani weiträumig erfolgen.  Nach knapp 7 Stunden (9 Kn/Std) haben wir den auf einer flachen Landzunge liegenden Fischerhafen erreicht.  Das Anlegen bei seitlichem Starkwind ist problematisch. Doch auch hier zeigt sich die Hilfbereitschaft der Sizilianer, die mit großem Engagement uns das Festmachen am Schwimmsteg vor Murringleinen erleichtern.  

         

                               Sc Polumbo backbord voraus                                                                Lega Navale Trapani 

Am nächsten Morgen segeln wir bei gutem Wind  zwischen den Inseln Favignana, Levanzo und Marettimo  hindurch, den größeren der Ägadischen Inseln. In diesem Seegebiet muss auf die ausgebrachten Thunfischnetze geachtet werden. Die armdicken Stahltrossen sind durch rote und weiße Bälle gekennzeichnet und können sich auf einige Seemeilen erstrecken.  Für die 140 Sm nach Tunesien, haben wir 24 Stunden eingeplant.  Aus früherer Erfahrung und aktuellen Berichten wissen wir, dass die Hafeneinfahrt von Sidi bou Said  regelmäßig versandet.  Dem gemäß ist bei der Ansteuerung des Hafens Tageslicht erforderlich.  Dank guter Windverhältnisse sind wir jedoch schneller als erwartet. Bereits um Mitternacht haben wir die Höhe von Cap Bon,  der  NE-Ecke von Tunesien erreicht.  Durch die vielen Container- ,Tankschiffe, und Fischerboote herrscht hier ein reger Verkehr, der häufige Ausweichmanöver erforderlich macht.  Wir müssen unsere Fahrt drosseln und nehmen zunächst das Vorsegel  und später auch das Großsegel weg.  Kurz nach Sonnenaufgang laufen wir dann in die, von Sandbänken gesäumte Hafeneinfahrt der Marina von Sidi bou Said ein, und machen an der Anmeldepier fest.  Nach der Abgabe der Zollerklärung und dem Eintrag des Transitvisums, dürfen wir tunesischen Boden betreten.

       

                                  Marina Sidi bou Said                                                                        über den Dächern von Tunis

Wir besuchen das einzigartige Mosaikmuseum von Bardo  und die weiträumigen, antiken Anlagen von Karthago.  Am nächsten Tag bummeln wir durch die Altstadt und den Basar von Tunis.  Anschließend wandern wir durch das malerische Künstlerdorf von Sidi bou Said.  Mit einem Kamelritt entlang der Küste von Marsa  und dem Besuch einer Beduinenfamilie endet unsere Excursion. Die vielfältigen Eindrücke dieser zwei Tage, werden für uns eine bleibende Erinnerung sein.

Nach den Anstrengungen der Landausflüge zieht es uns wieder auf´s Wasser. Am 17.06.99  legen wir ab. Als wir aus der Abdeckung der Küste heraus sind, frischt der Wind mächtig auf. Obwohl wir 2 Knoten Gegenstrom haben, machen wir gute Fahrt. Die See ist von Schaumköpfen übersät und die Wellen werden zunehmend häher.  An einigen Kap´s erreicht der Wind in den Böen Spitzenwerte um 42 Knoten (9 Bft.). Mühsam müssen wir aufkreuzen.  Die geringe Wassertiefe, diverse  Wrack´s und viele Fischernetze erfordern höchste Aufmerksamkeit und schnelle Reaktionen. Nach 9 Stunden (66 Sm)  erreichen wir den großen Hafen von Bizerte. Hier erwartet uns eine sehr mißtrauische Hafenbehörde, die uns nach langem Prozedere durch die Instanzen des Zolls kreuzen lässt.  Erst ein vorzügliches Menue im Restaurant des Yachtclub´s lässt uns die Strapazen des Tages vergessen.

    

                                                                               Bizerte

 Am 18.06.99 wollen wir nach Ile de Galite, eine hohe Insel, etwa 25 Sm vor der tunesisch-algerischen Grenze.  Der wunderschöne Ankerplatz an der Südseite der Insel gilt als Geheimtip. Wir waren mit unserer GIB SEA38 vor 12 Jahren schon mal hier und haben die besten Erinnerungen.  Nachdem wir in Bizerte ausklariert haben, segeln wir am Cap Blanc vorbei und sind bei zunehmendem NE-Wind zügig unterwegs. Ein großes Fischerboot versucht, uns in sein Kielwasser zu nehmen.  Wir nehmen die Schoten etwas dichter und segeln in großem Bogen um den Kontrahenten herum, der trotz höchster Fahrt hinter uns bleibt.

Ile de la Galite voraus

Spät am Nachmittag haben wir Ile de la Galite erreicht und steuern die bewusste Ankerbucht an. Doch unsere Erwartungen auf einen ruhigen Ankerplatz werden jäh gestört.  Heftige Fallböen stören die Idylle. Die dort liegenden Fischerboote und ein Kriegsschiff stampfen und gieren in der aufgepeitschten See. Wir können gar nicht schnell genug Reffen. Überall weht Gischt von den kurzen Wellen.  Die durch einen Bergeinschnitt fallenden Böen gehen über 44 Knoten (9 Bft.) hinaus. hier können wir nicht bleiben ... nichts wie weg hier.  Obwohl wir das Vorsegel wegnehmen und das Großsegel zweifach gerefft ist, verlassen wir mit 18 Knoten Speed  das unwirtliche Revier in westlicher Richtung. Da wir nicht nach Tunesien zurück wollen, nehmen wir Sardinien als nächsten Wegpunkt. Als Folge der harten Böen stellen wir fest, dass eine Lattentasche unserer Genua gerissen ist und die vertikal verlaufende Latte unten herausrutscht. Die Notreparatur in der aufgewühlten See, ist ein nasses und anstrengendes Geschäft.  Leider spielt der Wind nicht mit, denn er dreht nach N und später nach NNW. Dem gemäß ist ein direkter Kurs nicht möglich. Also kreuzen wir und nehmen die SE Spitze von Sardinien ins Visier.  Im Zick-Zack Kurs geht es durch die stockfinstere Nacht.  Plötzlich geht ein weicher Ruck durch das Schiff. Die Speedometeranzeige geht schlagartig von 8,6 Knoten auf 0,0 Knoten zurück ... Was ist passiert ?  Nach der Echolotanzeige haben wir genügend Wasser unter dem Schwert. Mit der Taschenlampe leuchten wir das Wasser und den Schiffsrumpf ab und stellen fest, dass wir in ein an der Oberfläche schwimmendes Fischernetz geraten sind. Inzwischen hat sich das Schiff durch den Wind gedreht und liegt vor dem 17 Knoten starken NNW-Wind. Die Wellenhöhe beträgt 2 m. Mit großer Mühe bergen wir das durchgelattete Großsegel. Am Lifebelt hängend, versuchen wir uns loszuschneiden. Obwohl wir Schwert und Ruder einigermaßen befreien können, kommen wir nicht los und bleiben manöverunfähig. Offenbar hängen wir noch mit unserem Faltpropeller fest.  Doch das Tauchen in der bewegten See mit den von achtern einsteigenden Wellen, die starke Strömung, das kalte Wasser und die totale Dunkelheit, raten zur Vernunft ... Es ist zu gefährlich !        Wir setzen das Ankerlicht.  Ich halte Wache und Elo versucht unter Deck sich aufzuwärmen und etwas zu ruhen.

 Im Morgengrauen des 19.06.99 sind wir mit dem Netz etwa 10 Sm nach SE abgedriftet.  Schlieslich können wir uns mit viel Mühe vom Fischernetz losschneiden. Doch die Schraube und die Welle bleiben blockiert.  Aber wir haben ja ein Segelboot und können wieder segeln.  Der Wind hat inzwischen  nach WNW gedreht, so dass wir auf einem Bug bleiben können.  Bei wechselnder Windstärke sichten wir am Nachmittag  Cabo Carbonara , die SE-Spitze von Sardinien. Je näher wir uns der Insel nähern, um so stärker wird der Wind.  Wir steuern den Hafen von Villasimus  an. Doch der Wind geht jetzt über 26 Knoten (6 Bft.) hinaus und wird immer böiger.  Leider sind die Angaben im Hafenhandbuch unzureichend und wir wissen nicht ob in der Hafenanlage genügend Freiraum zum Anklappen der Schwimmer vorhanden ist.  Auch ist das Einlaufen und Anlegen unter Segel bei dem auflandigen Starkwind ein großes  Risiko.    Kurz vor dem Hafen, drehen wir ab und düsen mit 16 Knoten zwischen Cabo Carbonara  und Isola dei Cavoli  hindurch zur Ostseite von Sardinien.  Hier segeln wir in der Badebucht von Porto Giunco bis an die Badezone heran, gehen in den Wind und werfen den Anker... und er hält.  Zwar ist der ablandige Wind immer noch stark, doch das Wasser ist glatt.  Nun können wir tauchen und den umwickelten Faltpropeller und die Welle von den Netzresten befreien.  Nun läuft der Motor wieder und unsere Batterie kann wieder aufgeladen werden.

Die Reste vom "Corpus delikti"

 Obwohl wir vor Anker liegend, auch im Schlaf auf jedes ungewohnte Geräusch achten, haben wir gut geschlafen. Am 20.09.99 rüttelt der böige W-Wind an unserer Ankerleine und fordert uns zum Ablegen auf.  Die zerklüftete sardische Ostküste mit den hohen Bergen, den tiefen Einschnitten und den weiten Buchten, ist bei westlichen Winden für die heftigen Fallböen bekannt. Dem entsprechend  ist unsere Fahrt im Küstenbereich auch sehr wechselhaft. Eben segeln wir noch mit bescheidenen 5 Knoten, im nächsten Moment erhöht sich der Druck und unser Trimaran wird im Abfallen auf 17 Knoten Speed beschleunigt. Man muss sich schon gut festhalten. Es ist aufregend und faszinierend zugleich. Mit individuellem Steuern und koordinierter Schotführung muss schnell reagiert werden.

Am Horizont sehen wir einen weißen Punkt.  Da wir seit Wochen auf dem Wasser keine Yacht mehr gesehen haben, sind wir erfreut wieder mal einem Segelboot zu begegnen.  Allmählich wird aus dem weißen Punkt eine Segelyacht und wir stellen fest, dass sie uns nicht entgegenkommt, sondern in die selbe Richtung wie wir segelt.  Als wir dann in einem Böengürtel an der "Ovni 47" in Luv vorbeisurfen, fallen den Yachtys fast die Augen aus dem Kopf. Ungläubig sehen sie wie der Abstand zwischen dem kleinen Tri und der großen Luxusyacht immer größer wird.  Am Cap Sferracavallo  dreht der Wind urplötzlich um 80° und weht uns mit 25 Knoten (6 Bft.) entgegen.  es wird eine harte Kreuz. 

Unsere Verfolger liegen inzwischen etwa 2 Sm hinter uns, als eine schwarze Wolke aufzieht und der Wind erheblich zulegt. Die See türmt sich recht schnell auf und fliegendes Wasser erschwert die Sicht.  Zweifach gerefft kämpfen wir uns um das Cap Bellavista  und ... sind in Arbatax.  Während wir uns im geschützten Hafen erholen, wird die große "Ovni" draußen stark gebeutelt.  Erst nach eineinhalb Stunden kann unser Verfolger am Schwimmsteg anlegen.  Wieder einmal wird bestätigt, dass das Streben nach Geschwindigkeit uns vor größeren Torturen bewahren kann.

  

                                          Arbatax                                                                                 Schwimmsteg der Marina Arbatax

Als auch am nächsten Tag der Wind mit 7-8 Bft weht, legen wir einen Reparatur-, Wasch- und Bummeltag ein. Beim Anlegen hatte uns die Hafenaufsicht angewiesen, unser Boot an der Außenseite des Schwimmsteges längsseits fest zu machen. Durch eine Drehung des stürmischen Windes nach NNW wird unser Tri  breitseits gegen den Steg gedrückt und der zunehmende Seegang schaukelt unser gutes Stück bedenklich auf. Die flexibel angeklappten Seitenrümpfe ächzen in ihren Gelenken.  Nur durch die Benutzung von einigen luvseitigen Murringleinen können wir größere Schäden vermeiden. Nach Sonnenuntergang können wir eine schächere Windphase nutzen um "allez hop" hinter den Steg zu verlegen.   

                  

  Laut Wettervorhersage soll der weiterhin aus Nord kommen und stark bleiben. Da dies genau gegen unsere Fahrtrichtung wäre, legen wir noch einen Hafentag ein und so lernen wir die Umgebung besser kennen.                            Doch wie schon oft, haben uns die Wetterfrösche wieder falsch informiert, der Wind kommt aus Ost mit 3 Bft. Es ist schon klar, dass die Wettervorhersagen die lokalen Bedingungen nicht erfassen können, doch allgemein kann man sagen, dass die Erfolgsquote der Wetterprognosen im Mittelmeerbereich sehr gering ist.

  Am 23.06.99 setzen wir unsere Reise nach Norden fort.  Bekanntlich dreht der Wind mit der Sonne. So auch heute.  Zu Beginn kommt der Wind aus NE mit 3 Bft. und endet mit S Wind von 6 Bft.  Die Fahrt verläuft sehr entspannt.  Wegen den vielen Untiefen muss die Ansteuerung von Porto Ottiolu sehr aufmerksam erfolgen.  Das Anlegen in der Marina starkem Seitenwind ist recht schwierig. Zunächst müssen wir in glattem Wasser in den Wind gehen, die Backstagen lösen und den Tri bei leichter Fahrt im Wind halten. Gleichzeitig müssen die beiden Seitenrümpfe schnell an den Hauptrumpf herangezogen und fixiert werden.  Festmacheleinen und Fender klarmachen und die Backstagen wieder dicht nehmen. Bevor wir die Murringleine greifen können, driftet das leichte Boot durch den starken Seitenwind nach Lee ab.  Nur mit einigen Tricks und viel Mühe gelingt es eine Havarie zu vermeiden. Außer Atem und schweißgebadet steigen wir von Bord.  Nach den üblichen Anmeldeformalitäten gönnen wir uns eine Dusche für Boot und Körper. Mit einem guten Essen und einem feinen Tropfen beschließen wir den Tag.

 Am nächsten Morgen segeln wir bei schwachem bis mäßigem NE-Wind an der Isola Tavarola  vorbei, in Richtung Korsika. Elo meine Frau, hat starke Schmerzen und kann kaum Atmen.  Sie hat sich beim gestrigen Anlegemanöver die Brustmuskel und einige Rippen gequetscht.  Vor Erreichen der Strasse von Bonifacio  nimmt der Wind deutlich zu. Infolge der sich hier kreuzenden Strömungsrichtungen erwartet uns eine unregelmäßige, durcheinander laufende, kurze See.  Wir und das Boot werden kräftig durchgeschüttelt.  Trotz dem allgemeinen Getöse, nehmen wir ein ungewohntes Knarren wahr, das vom vorderen Backbordbeam ausgeht.  Auch der entsprechende Seitenschwimmer wirkt etwas unruhig. Elo sieht sich die Beamvebindungen und die Verstagung an und kommt etwas blass zurück. Sie meint: "Ich mags dir garnicht sagen, schau selbst." Ich drücke ihr das Ruder in die Hand und flitze nach vorne.  Mit Schrecken sehe ich, dass das linke vordere Wasserstag am Terminal nahezu durchgebrochen ist. Es hängt nur noch an zwei Kardeelen !  Schnell die Segel runter und vorsichtig unter Motor in den nächsten Hafen.  Im Schwell der vorbeirasenden Motorboote starren wir wie hypnotisiert auf das betroffene Wasserstag und zittern vor jeder Welle.  Über Handy verständigen wir die Werft in Dänemark. Dort ist man sehr besorgt.  Man wird sofort per Kurier ein neues Wasserstag auf den Weg bringen.  Mit Hangen und Bangen erreichen wir schließlich den Hafen von Porto Vecchio.  Die letzten 10 Seemeilen sind die längsten meines bisherigen Seglerlebens.

Hafen von Porto Vecchio

 In den nächsten Tagen erkunden wir mit einem Mietwagen, den südlichen, östlichen und zentralen Teil von Korsika. Die Insel wird überragt von einem verschneiten Dreitausender. Aus tintenblauen Bergseen stürzen Bäche und Wasserfälle die Hänge herab, brausen durch tiefe Schluchten und dichte Kiefernwälder und fließen ins Meer.  An der Ostküste bilden sich hinter den Mündungsbarren, sogenannte Etangs, wo Muschelzucht betrieben wird. Von den Höhen lugen kleine Bergdörfer mit ihren schlanken Glockentürmen herab.  Und auf den Kap´s thronen mächtige, runde Wachtürme - ein Erbe der Genueser.  Zu der üppigen Vegetation gehören Korkeichen, Eukalyptus und Kastanienwälder ebenso wie die Macchia mit süßduftenden Zystrosen-, Myrthen- und Rosmarien-Polstern.

       

Trotz unserer Aktivitäten fällt uns das Warten schwer.  Zum Glück treffen wir im Hafen unsere Segelfreunde Inge und Bernd  wieder, die mit ihrer "Contest 43" gemütlich gen Norden ziehen.  Endlich,  nach 9 Tagen trifft das ersehnte Wasserstag ein. Die mediteranen Transportwege sind nun mal etwas länger.

Nach dem Auswechseln des Wasserstages, geht es am 04.07.99 weiter. Bei mäßigem östlichem Wind segeln wir die korsische Ostküste entlang.  Außerhalb der 10m Tiefenlinie, machen wir große Bögen um die weit seewärts liegenden Fischernetze. Erfahrung macht vorsichtig. Später dreht der Wind nach Süd, frischt stark auf und erreicht kurz vor unserem Anlegen seinen Höhepunkt.  Auf den versandeten Untiefen vor der schmalen Hafeneinfahrt von Campolore-Taverna  bricht sich die See. Wieder wird das Festmachen bei starkem Seitenwind an einer Kettenmurring zu einem aufregenden Erlebnis.

Zunächst steht ein gründlicher Check Up unseres Schiffes an. Einige Reparaturen sind fällig und das neue Wasserstag muss nachgespannt werden.  Ohne verabredet zu sein, treffen am Nachmittag Inge und Bernd  ein. Nach einem gemeinsamen Einkauf, bereiten uns die Beiden ein köstliches Mahl und wir verbringen einen schönen Abend.                                                                                                                     Am nächsten Morgen mieten wir ein Auto und machen gemeinsam eine schöne Tour ins Innere von Korsika.

               

                        Corte

 Am 07.07.99 verabschieden wir uns von den Segelfreunden.  Bevor wir Ablegen können, müssen wir uns mühsam aus der Enge unseres Liegeplatzes und einem Gewirr von Leinen befreien.  Unser Tagesziel ist die Insel Elba.  Bei einer mäßigen Brise aus NE und später aus N, können wir mit einem Schlag die Nordspitze von Isola Pianosa  passieren und die Felshuk von Cabo de Stella  anliegen.  Im Golfo della Lacona,  einer nach Süden offen Bucht.  fällt auf 4 m Wassertiefe unser Anker.  Zur Sicherheit bringen wir mit dem Beiboot einen zweiten Anker aus. Kaum im Schiff zurück, reißt eine Böe unser Dhingi los und der ablandige Wind treibt den Tender in Richtung offene See.  Wir springen beide ins Wasser und schwimmen um die Wette. Elo erreicht mit letzter Kraft den Ausreiser.  

Gerd berichtet von der "Kieler Woche"

Wir haben uns gerade etwas von dem Schreck erholt, als ein Schlauchboot zu uns heran fährt und die Insassen fröhlich "allez hop" rufen. Mit großer Freude können wir Gerd Eiermann und seinen Sohn Bastian  an Bord begrüßen.  Gerd,  den wir bei vielen SZV-Regatten kennen und schätzen gelernt haben, ist schon heute in den Jollenklassen eine wahre Seglerlegende !  Er verbringt hier mit seiner Familie und Freunden - nach der gewonnenen "Kieler Woche" und vor der (anschließend gewonnenen) "Travemünder Woche" - seinen wohlverdienten Urlaub.  Für den Abend sind wir bei ihm eingeladen. Bei gegrilltem Fisch, leckeren Salaten und Wein, verbringen wir mit Gerd´s Familie und seinen Freunden einige sehr schöne Stunden.

Für die kommenden Tage sind NW-Wind 7-9 Bft. angesagt. Um unter moderaten Bedingungen wieder nach Korsika zu kommen, legen wir am nächsten Morgen unter Segel ab.  Zunächst haben wir einen mäßigen N-Wind.  Nachdem wir aus der Landabdeckung von Elba  heraus sind, frischt der Wind durch den Kapeffekt stark auf. Die hier herrschenden Kreuzseen verusachen einiges Unbehagen.  Nachdem wir das Kabbelwasser überwunden haben, machen wir gute Fahrt. Später dreht der Wind nach West und wir erreichen mit einigen Kreuzschlägen den Yachthafen von Macinaggio.

Macinaggio

 Dieses Mal haben die Meterologen recht. Der "Mistral"  ist eingetroffen und macht eine Weiterfahrt zur Cote Azur  in den nächsten Tagen nicht möglich.  Da der Mistal  mindesten 3 Tage andauert, mieten wir uns wieder ein Auto, umrunden das Cape Corse und erkunden den Nordosten von Korsika. Über viele Serpentinen  lernen wir die Berge, Dörfer, Wälder und Strände dieser Gegend kennen und schätzen.

       

                            Hafen Saint Florent                                                                                      Hafen von Bastia

 Am 12.07.99 hat sich der Mistral ausgepustet und wir können unsere Fahrt fortsetzen. Mit einem frischen S-Wind runden wir das Cape Corse.

Cape Corse voraus

Später dreht der Wind nach Ost und am Abend nach Nordost. Nach Sonnenuntergang nimmt der Wind kräftig zu und die See wird gröber.  Obwohl wir für die Nacht die Segel verkleinert haben, sind wir mit 10 bis 14 Knoten Fahrt gut unterwegs. Es ist Neumond und stockdunkel.  Wenn man mit Speed durch die Dunkelheit segelt, ohne zu wissen ob und was vor dem Bug im Wasser schwimmt, bekommt man schon ein mulmiges Gefühl. Um unsere Batterie zu schonen, haben wir das Toplicht gesetzt.  Während meiner Wache höre ich ein schmatzendes Geräusch. Ich schaue außenbords und sehe einen Delfin der mit uns begleitet. Unser Ausblick hat stets das Vorfeld unter Kontrolle. Um so überraschender ist es, als kurz nach Mitternacht urplötzlich auf der Steuerbordseite eine auf Gegenkurs befindliche Segelyacht aus der tiefen Dunkelheit auftaucht  und  haarscharf hinter unserem Heck vorbeischießt. In meinem Schock starre ich in das unbesetzte Cockpit des "Geisterfahrers" und sehe, dass dieses Schiff völlig unbeleuchtet ist.  Wir wurden offenbar garnicht wahrgenommen.  Unser Wegerecht (Backbordschoten) und unser Toplicht hätten uns nichts genützt. Bei dem Kurs und der hohen Fahrt der beiden Schiff wäre ein Crash tödlich gewesen !!!                                                                                                                     Nach diesem Schreck segeln wir weiter in spitzem Winkel auf die Cote Azur zu und versuchen in dem Lichtermeer, die Leuchtfeuer zu identifizieren.  Wieder einmal sind wir zu schnell gewesen und für   den Landfall zu früh vor Ort. Wir beschließen zur Sicherheit, am Cap Antibes eine Pause einzulegen.  Vorsichtig steuern wir die Anse l´Argent an und werfen in ruhigem Wasser unseren Anker. Beim Einfahren des Grundgeschirr´s schau ich nach hinten und sehe eine Badeleiter.  In der Dunkelheit sind Entfernungen schwer einzuschätzen. Wir holen den Anker wieder hoch und bringen in weiter seewärts aus. Leider liegen wir jetzt im Schwell und an Schlaf ist nicht zu denken.    Mit dem ersten Tageslicht holen wir den Anker auf und fahren unter Motor in den stark frequentierten Vieux Port de Cannes.   Der Hafen ist wegen der Filmfestspiele und dem Französischen Nationalfeiertag am 13.07.99 überfüllt.  Weil wir so früh sind, finden wir mit viel Glück einen Liegeplatz am Kopf eines Steges und dürfen bleiben.

Hier kommt man sich recht klein vor

 Zur Zeit finden in Cannes die Filmfestspiele statt. Wir flanieren über den Boulevard de la Croisette , einer von hohen Palmen gesäumten Uferpromenade und bestaunen die illustre Gesellschaft der Filmszene. Im Hafen liegen viele Mega-Motoryachten und riesige Oldtimer-Segelschiffe. Vom Luxus überwältigt spazieren wir hinauf in die Altstadt mit den malerischen Restaurant-Gassen und lassen uns mit einem leckeren Fischgericht verwöhnen. Dann sehen wir uns  die bunte Vielfalt  des Blumenmarktes und der riesigen Markthalle an. Überall wird mächtig gefeiert, schließlich ist heute Nationalfeiertag. Am Abend wird die Ansprache des Staatspräsidenten auf allen Straßen übertragen. Danach wird ein gigantisches Prachtfeuerwerk gezündet und die ganze Nacht gefeiert.                                                                                                                                                     Am nächsten Morgen sind wir noch recht müde und beschließen die großartige Atmosphäre dieser schönen Stadt noch einen Tag zu genießen.

 Am 15.07.99 ziehen wir weiter.  Einem von idyllischen Häfchen und einsamen Buchten verwöhnten Skipper, laden die im Hochsommer überfüllten  Wasserflächen und Riesenmarina´s  nicht zu längerem Verweilen ein.  Dem entsprechend ziehen wir zügig weiter.                                                                          Nach einem Zwischenhalt in  Port Lavandou, segeln wir an den Iles de porquerolles  vorbei und machen im wunderschön gelegenen  Port de Bandol einen Übernachtungsstopp.

Port Bandol

Wenn man im Sommer an der Cote Azur  einen Liegeplatz finden will, muss man frühzeitig ankommen. Dem gemäß laufen wir am 17.07.99 schon um die Mittagszeit die vor Marseille  gelegene Insel Frioul  an  und machen im  Port du Frioul am Hauptsteg längsseits fest.  Hier wartet schon der Zoll auf uns. Neben der intensiven Kontrolle aller Papiere wird das gesamte Schiff gründlich untersucht.  Da wir meist ein "trockenes" Schiff haben - Alkohol gibt es nur an Land und nach Sonnenuntergang - werden wir als drogenfreie Zone eingestuft.

Port du Frioul - dahinter Chateau d´If

Am 18.07.99 lassen wir uns von der Fähre am Chateau d´If  vorbei, zu dem mitten in der Stadt gelegenen alten Hafen von  Marseille  bringen.  Hier besuchen wir die, eindrucksvoll über der Stadt gelegenen Kirche Notre Dame de la Garde.  Eine Pflicht für jeden Seefahrer.  Von hier hat man eine wunderbare Aussicht auf die Stadt, den Hafen, das Meer und die vorgelagerten Inseln.  Anschließend lassen wir uns mit einem Bähnchen durch verwinkelten Gassen der Altstadt fahren und bummeln über die Prachtstraße La Canabiére. Nach diesen Anstrengungen haben wir uns eine vorzügliche Boulliabaise verdient.  Mit der Fähre geht es dann zurück auf´s Schiff.

                                                                       

                         Marseille Hafen                                                                                                              Notre Dame de la Garde

Am 19.07.99 segeln wir bei leichtem SW-Wind unserer letzten Reisestation entgegen. Wir hatten uns vorher telefonisch einen Liegeplatz  in  Port Saint Louis de Rhone  reserviert.  Nachdem wir den Golfe de Fos  bei starkem Schiffsverkehr durchquert haben, segeln wir durch den Canal Saint Louis.    Im Port a Sec  wird unser Trimaran "allez hop" mit dem Traveller-Lift an Land gebracht. ENDSTATION

Zusammenfassung:

Reiseweg:   Rund Mallorca - Korsika - Sardinien - Ustica - Sizilien - La Galite - Sardinien - Korsika -       Elba - Korsika - Cote Azur - Golf du Lion .

Fahrtdaten:         Zurückgelegte Strecke         2.165 Seemeilen 

                           unter  Segel   1.776 Seemeilen =  82 %                                    

                          unter  Motor      389 Seemeilen =  18 %

                          41 Fahrtage, einschließlich 6 Nachtfahrten

                          25 Hafentage, davon 6 Tage wetterbedingt                                   

 Diese Reise wurde von der KREUZER ABTEILUNG des DSV mit einer Silbermedaille ausgezeichnet 

AUTOR:  + SKIPPER:  WILLY  DUMONT

             

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