" Zu Wasser und zu Land, aktiv sein im Ruhestand "



                                          Seereise mit dem Trimaran               

                                                   

                            Von der Ostsee ins Mittelmeer                                                  

Nach einem gründlichen Check-Up in der Werft von Quorning-Boats in Skaerbaek/Dänemark, unternehmen wir - das ist meine Frau Eleonore und meine Wenigkeit - einige Übungsfahrten im Kleinen Belt. Zum Glück besteht meine "neue" Hüfte  den Härtetest bei 7 Windstärken!  Wir sind bereit für eine Reise in den Süden.  

                                                         

Am 29.05.98 legen wir in Skarbaek ab. Ein strammer, böiger Nordostwind lässt uns den Kleinen Belt zügig passieren. Allmählich lässt der Wind nach, so dass wir am Abend Schleimünde erreichen. Im überfüllten Hafen von Maasholm können wir mit Glück im Päckchen einen Liegeplatz finden. Am nächsten Morgen bummeln wir erstmal durch den malerischen Fischerort und ziehen gegen Mittag weiter. Vor Erreichen der Kieler Förde geraten wir zwischen die Felder der" Pfingstbuschregatta". Es weht mit 5-6 Bft. und wir halten uns frei, von den in der unruhigen See um den Sieg kämpfenden Kameraden. Wir nehmen die Fahrt raus und beobachten dieses faszinierende Bild! Schließlich ziehen wir nach Kiel-Strande, wo wir an der Pier längsseits anlegen können.  Obwohl der Wind inzwischen über 30 Knoten (7 Bft.) geht, liegt unser klappbarer Tri ruhig und sicher. Am Abend bekommen wir Besuch von einem Segelfreund. Torsten Wagner und seine Frau begutachten unser schwimmendes Zuhause  und wir verbringen einen gemütlichen Abend.

Am 31.05.98 verholen wir uns in den Kanalhafen Holtenau und warten bis sich das Schleusentor für die Kanalfahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal öffnet. Nach zwei Stunden ist es soweit. Wir genießen die 53,3 sm lange Fahrt durch diese grüne Wasserstraße.  Da die Fahrt unter Motor  durchgeführt werden muss, versuchen wir den Sog der uns überholenden Großschiffe zu nutzen und lassen uns energiesparend ein Stück mitziehen. Dabei müssen wir feststellen. dass unser Autopilot streikt. Die Nacht verbringen wir an den Dalben der Weiche Dückerswisch.

Am 01.06.98 legen wir früh ab, um das ablaufende Wasser der Elbe nützen zu können. Bei leichtem Nebel passieren wir die Schleuse Brunsbüttel ... und schon geht die Post ab. Wir merken gleich, dies ist ein "anderes" Segelrevier! Der stark böige Westwind weht mit 22 bis 30 Knoten (6-7 Bft.).  Wir verkleinern beide Segel und kreuzen am Rande des Fahrwassers elbabwärts. Da der Wind gegen den Strom bläst, haben wir es mit einer kurzen, hackigen Welle zu tun. Mit guter Fahrt - maximaler Speed 11 Knoten - erreichen wir Cuxhaven, wo wir im Yachthafen am Schwimmsteg festmachen. Nach uns kommen auch die Teilnehmer der "Rund-Helgoland-Regatta" an, und wir haben die Ehre, neben der stattlichen "Germania IV" zu liegen. Unser defekter Autopilot wird ausgebaut und zur Dekodierung ins Werk geschickt. Erst nach 4 Tagen kommt er mit einer neuen Platine zurück. Wir trösten uns damit, dass in dieser Zeit ein starker SW-Wind uns das Auslaufen aus der Elbe sehr erschwert hätte.

                     

Am 06.06.98 können wir bei ENE-Wind und ablaufendem Wasser die Elbe verlassen. Bei guter Fahrt segeln wir an der Südseite des grünen Tonnenstriches und lassen die Ostfriesischen und später die Niederländischen Inseln an Backbord liegen. Trotz der groben See und zweifacher Reffs in beiden Segeln, machen wir bei achterlichem Wind zwischen 9 und 12 (max.15) Knoten Fahrt. Da laut Vorhersage des DWD der Wind nach SW drehen soll, werden wir keine Umwege durch die Wattengebiete der Nordsee machen. sondern direkt einen Holländischen Hafen anlaufen. Am späten Abend des zweiten Tages erreichen wir, nass und müde,  den Seaport von Ijmuiden. Hier wird uns ein Platz neben dem gerade zurückgekehrten Whitbread Racer "Brunel Sunergy" zugewiesen. Neben diesem Eumel kommen wir uns doch recht klein vor. Nach einer heißen Dusche und einer warmen Mahlzeit ist die Kälte und Nässe der letzten zwei Tage bald vergessen.

             

                                                      kalt und nass   

Am 07.06.98: Der angekündigte SW-Wind ist da. Zunächst geht es flott gegenan. Der Wind legt mächtig zu. Wir kreuzen hoch am Wind, doch die kurzen steilen Wellen sowie die Strömung versetzen unser leichtes Boot erheblich. Das Vorwärtskommen wird immer beschwerlicher. Später erkennen wir, dass wir zu sehr Höhe "gekniffen" haben. Bei diesen Seegangsbedingungen muss man einen Trimaran "laufen lassen". Vor der Hafeneinfahrt von Scheveningen erwartet uns eine brutale Grundsee, die wir nur mit Motorhilfe überwinden können. Am Schwimmsteg einer Werft, können wir längseits festmachen. 

                                          

Der SW-Wind erreicht Sturmstärke, die Wellenhöhe beträgt 4 m. Das Auslaufen in südwestlicher Richtung ist nicht möglich. Durch die entstandene Troglage müssen wir vier Hafentage einlegen. Der ständige Regen und die Kälte, vertieft unsere ohnehin gedämpfte Stimmung.

                                   

Am 12.06.98 dreht der Wind nach West und wir legen ab. Nach Überwindung  der in der Hafenausfahrt wütenden Grundseen, segeln wir durch die aufgewühlte See. Es ist wie Achterbahnfahren - nur nasser. Das breite Mündungsdelta der Westerschelde, mit dem dichten und schnell laufenden Großschiffsverkehr, können wir problemlos überqueren. In der Nacht bleiben wir weit draußen, um die Flämischen Sandbänke seewärts zu passieren. Die vielen Fischerboote erfordern ständige Manöverbereitschaft. Im Morgengrauen erreichen wir Calais. Wegen Niedrigwasser müssen wir an einer Warteboje im Arriere Port vorläufig festmachen, bis sich zwei Stunden vor Hochwasser das zum Hafen führende Schleusentor öffnet. Im hoffnungslos überfüllten Bassin de Quest werden wir ständig abgewiesen, wenn wir zum Anlegen im Päckchen ansetzen. Schließlich erbarmt sich ein deutscher Katamaran, so dass wir  in 3. Reihe  außen liegen können.

                      

                                                      Hafeneinfahrt Calais

Am 14.08.98 wird um 04:45 die Schleuse zur Ausfahrt geöffnet. Es regnet, die Sicht ist schlecht. Wir schalten den Radar-Aktiv-Reflektor ein. Um uns von dem massiven Schiffsverkehr der schnellen Fähren und der Container frei zu halten, segeln wir am zur Küste gelegenen Rand des Verkehrstrennungsgebietes. Der Wind frischt stark auf und dreht immer mehr auf die Nase. Um von der Küste frei zu bleiben müssen wir immer häufiger Holeschläge einlegen. Es ist äußerst ermüdend gegen den Gezeitenstrom aufzukreuzen. Die Wellen werden immer höher, die Kämme brechen sich, überall Schaum und Gischt. Ich bekomme kaum noch Luft und wünsche mir eine Taucherbrille mit Schnorchel.     

                               Aus dem Chaos sprach eine Stimme ...

                                                 " Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen".

                                                       ... und ich lächelte und war froh.

                                                            ... Und es kam schlimmer!

Gegen Mittag geht der Wind über 35 Knoten (8 Bft.) hinaus - und wir gegenan. Ein Anlaufen der leeseitigen, tidenabhängigen Häfen wäre unverantwortlich. Die See wird immer turbulenter. Teilweise überspülen die Brecher das gesamte Vorschiff. Obwohl wir gute Fahrt machen, kommen wir wegen der Gegenströmung nur wenig voran. Ab und zu wird "allez hop" bedenklich angehoben, so dass ich unter dem Luvschwimmer hindurch, kurz den wolkenverhangenen Himmel sehen kann. Doch es ist fantastisch wie sich unser Tri in der tobenden See verhält. Sobald wir ein paar Grad abfallen, spurtet er los. Dann mit Speed etwas anluven und er klettert fast mühelos die jetzt 5 Meter hohen Wellenberge hinauf.

                 

Auch wenn der Rumpf und der Leeschwimmer gelegentlich U-Boot spielen .... das Schiff taucht sofort wieder auf und die kurz verminderte Fahrt wird wieder aufgenommen. Am späten Nachmittag hört der Regen auf und die Sonne macht das Leben etwas leichter. Salzverkrustet, unterkühlt, hungrig und mit wackligen Beinen laufen wir am Abend zwischen den 30 m hohen Kliffs hindurch in den Port de Plaissance von Dieppe ein. Ich habe über 14 Stunden ununterbrochen am Ruder gestanden! Am Steg erwarten uns die netten Katsegler, die uns in Calais das Anlegen ermöglichten. Sie waren die Küste entlang unter Motor gefahren, während wir kreuzten.  Unser 18 PS Volvo hätte das nicht geschafft.     Es ist Springzeit - und die Tidenhöhe von mehr als 12 m zeigt uns, dass der Ärmelkanal von den Gezeiten beherrscht wird. Hier ist der kreative Gebrauch von Gezeitentafel und Stromatlas, der Schlüssel für das Gelingen eines Törns. Navigation ist hier mehr, als ein Boot nur in die richtige Richtung zu steuern!

                 

                    Hafeneinfahrt  Dieppe                                                                                    Tidenhub 12 m

Am 16.06.98 verlassen wir - nach einem Ruhe- und Reparaturtag - mit dem ablaufenden Wasser das reizvolle Dieppe. Der Wind weht kräftig und kommt natürlich von vorne. Die geringe Wassertiefe beschert uns eine kurze, ruppige und schnell brechende See. Plötzlich geht ein Ruck durch das Großsegel - die Leine für das erste Reff ist gerissen. Wegen der 25 Knoten Wind (6 Bft.), setzen wir notgedrungen das zweite Reff.  Doch der Versatz durch  Wellen und Strömung ist erheblich  -  wir haben zu wenig Segelfläche.  Erst als der Wind etwas nachlässt  und wir wieder das volle Großsegel fahren, geht es wieder zügig nach Luv. Der auflandige Wind, sowie eine starke Querströmung mit heftigen Grundseen machen die Ansteuerung von  Fècamp sehr schwierig. Doch mit Motorhilfe überwinden wir auch dieses Hindernis. Wir machen an einem Schlengel fest. Der Hafenmeister kassiert etwas unwirsch die Gebühren - schließt vor unserer Nase die Duschräume und die Toiletten ab und geht.

Am 17.06.98: Nach dem Anpassen der neuen Reffleinen legen wir ab. Der Wind ist mit 17 Knoten (5 Bft.) moderat und bläst mal wieder auf die Nase. Beim Durchfahren einer konfusen Welle geht wieder ein Schlag durch das Großsegel - diesmal wurde die Befestigung des Schotblockes am Großbaum aufgebogen. Dabei hat sich die Großschot an der Sitzbank verheddert und diese mit abgerissen. Mit einem Tampen wird der Block wieder am Baum fixiert. Die Ansteuerung von Le Havre ist unprobematisch. Der Hafen ist hervorragend geschützt.

                          

                                                 "allez hop" vor der Normandie

Am 18.06.98: Leichter Nebel, 100 m Sicht, wenig Wind. Jetzt darf mal der Motor ran. Zur Mittagszeit setzt der Wind mit 10 Knoten(3 Bft.) ein. Durch den Gegenstrom von 4 Knoten wird unsere Fahrtzeit etwas verlängert. An der Halbinsel von Cherbourg brausen die Gezeitenströme  so stark vorbei, dass man diese unbedingt berücksichtigen muss. Bei der Ansteuerung halten wir etwa 2 SM seitlich gegen den Tidenstrom vor und erreichen bestens, den geschützten Innenhafen, wo wir  im Port de Chanteroyne  festmachen.

                                 

Am 19.06.98: Die Gezeitenströme ums Cap de la Hague gelten als die härtesten des Ärmelkanals. Mit dem West setzenden Strom legen wir früh in Cherbourg ab. Wie von Geisterhand werden wir zum "Cap Hag" geschoben. Die hier aufeinander treffenden Strömungen erzeugen eine turbulent verwirbelte, brodelnde See. Es ist, als reite man ungesattelt einen wilden Mustang! Mit Respekt versuchen wir genügend vorzuhalten. Doch der auf einem Fels umbrandete Leuchtturm Gros du Raz scheint eine magnetische Wirkung zu haben. Er kommt immer näher. Zum Glück frischt der Wind leicht auf, so dass wir mit 10 Knoten Speed und dem mitlaufenden Strom von 7 Knoten - also mit 17 Knoten über Grund - durch den Race of Alderney  galoppieren. Und das bei strahlender Sonne, wir sind "happy". Um uns von der untiefen Banc de la Schôle  freizuhalten, segeln wir durch den Little Russel Channel.  Am frühen Nachmittag erreichen wir die Kanalinsel Guernsey. Wegen Niedrigwasser legen wir uns vorübergehend an den Warteschlengel von St. Peter Port. Als genügend Wasser über dem Süll steht, können wir in die Victoria Marina  einfahren und an einem Schwimmsteg längsseits festmachen.           

                                                           St.Peter Port                                                                      Viktoria Marina

Am 20.06.98 legen wir einen Hafentag ein, um die entspannte Atmosphäre von Guernsey und das  vom Golfstrom verwöhnte Klima zu genießen. Mit einem Stadtbummel durch Sankt Peter Port  und  Fahrten zu den Nachbarinseln Herm und Sark ergänzen wir einen schönen Tag. Beeindruckt hat uns vor allem, die artenreiche Vegetation der Kanalinseln.

Am 21.06.98 müssen wir wegen Hochwasser spätestens um 05:30 die Hafenschwelle passieren. Im Vorhafen klappen wir unsere Schwimmer aus und setzen Segel. Draußen erwartet uns dicker Nebel und Regen. Die Sicht beträgt etwa 80 m und der Wind kommt ..... von vorne. Mit zwei Holeschlägen halten wir uns von der SE-Ecke von Guernsey  frei. Eine parallel segelnde Yacht teilt uns über UKW mit, dass sie das reflektierende Signal unseres "Ocean-Sentry" in 12 Sm Entfernung empfängt. Das gibt uns eine gewisse Sicherheit.    Allmählich wird die Sicht besser und wir können fünf weit voraus segelnde Yachten ins Visier nehmen. Unser Regatta-Virus wird aktiv. Wir lassen "allez hop" laufen und kommen auf dem Am-Wind-Kurs der Gruppe immer näher. Auf der Höhe der Roches Douvreshaben wir alle hinter uns. Mit guter Fahrt nähern wir uns der Bretagne. Die uns jetzt nachfolgenden Yachten werden immer kleiner und schließlich verschwinden sie am Horizont. Bei auflaufendem Wasser segeln wir in die  Mündung des Rivere de Pontrieux. Die mäßige Brise bei dem glattem Wasser führt uns  viel zu schnell durch den idyllischen Fluss, zu dem 5 Sm entfernten Lezardrieux. Dort finden wir am Kopf des Schlengels eine Bleibe.

                  

Am 22.06.98 erkunden wir mit einem Mietwagen die Bretagne, und ergänzen unsere Vorräte.

                     

                                                        Cap de Raz

Am 23.06.98 legen wir früh ab. Es ist wieder nasskaltes Ölzeugwetter und der Wind kommt wie üblich ... von vorn.  Besorgt müssen wir feststellen, dass die Kompassangaben unseres Autopiloten verrückt spielen. Um uns von den vorgelagerten Inseln und vielen Untiefen frei zu halten, bleiben wir weit draußen. Die Häfen dieser Gegend sind alle tidenabhängig und fallen zum Teil vollständig trocken. Da die Ansteuerung recht knifflig ist, muss sie sorgsam geplant werden. 2 Stunden vor Hochwasser steuern wir von See kommen in den Chenal de I´lle de Batz  und erreichen problemlos den Vieux Port  von Roscoff. Nachdem wir "allez hop" an einer Boje festgemacht haben, heben wir Schwert und Ruder an, um den Trockenfall vorzubereiten. Dann versuchen wir die Unstimmigkeiten des Pilotkompasses zu klären. Die Lösung des Problems ist einfach: Elo, meine Frau hatte nach dem Einkauf in Lezardrieux alle Dosen im Stampfzentrum des Schiffes verstaut. Nicht wissend, dass sich hinter einer Holzplatte der Fluxgate-Kompass des Autopiloten befindet. In der Nacht liegt unser Tri breit und sicher im Schlick, während die Einrumpfschiffe sich an die Kaimauer anlehnen oder sich wie Invaliden mit Stelzen abstützen müssen.

      

                                Roscof                                                                                         Niedrigwasser

Am 24.06.98 bestimmt das Hochwasser den Zeitpunkt des Ablegens. Der Wind weht mit 25 Knoten (6 Bft.) und kommt aus SW. Wir hangeln uns um die vielen Riffe und Untiefen herum und halten uns von der bretonischen Küste fern. Nach 40 Sm in knapp 4 Stunden, erreichen wir die Ansteuerung zu unserer Absprungstation für die Biskayaüberquerung. Wegen den starken Querströmungen müssen wir deutlich Vorhalten. Bei mäßigem Nebel tasten wir uns durch den von Riffen umsäumten Grand Chenal de L´Aber-Wrac´h  und folgen der Fahrwasserbetonnung den Fluss hinauf.  Im dem kleinen Hafen von  L`Aber Wrac`h machen wir am Schwimmsteg fest.

                 

                           Ansteuerung L´Aber Wrac´h                                                                            Warten ...

Für die Fahrt über die Biskaya muss eine gute Wettervorhersage abgewartet werden! Eine Abfahrt bei SW-Wind - der durch Tiefdruckgebiete über dem Nordatlantik hervorgerufen wird - ist nicht sinnvoll. Sobald das Tief durchgezogen ist, kann W-  bis NW-Wind erwartet werden, der genügend Zeit für eine Überquerung lässt. Laut Vorhersage ist für die nächsten Tage SW-Wind mit 7-8 Bft. angesagt. Demgemäß müssen wir uns auf einige Wartetage einrichten. Obwohl wir die Zeit für Instandhaltungsarbeiten und  Spaziergängen nützen, ist die Stimmung gedrückt, wozu auch der permanente Regen und der heftige Wind beiträgt.

27.06.98: Endlich, am Nachmittag des dritten Tages, wird für die Nacht eine Winddrehung nach West angekündigt. Ungeduldig legen wir am Abend ab. Der Wind bläst mit 22 Knoten (6 Bft.) und kommt noch aus SW. Es ist dunstig. Um die berüchtigten Seen und Stromkabbelungen vor der bretonischen Westecke zu meiden, werden wir die Ile de Quessant  seewärts runden. Die wechselnden Strömungen, der rege Schiffsverkehr innerhalb der Verkehrstrennungsgebiete und die vielen Fischerboote in der Inshore-Traffic-Zone, machen das nächtliche  Kreuzen  aufregend und schwierig. Zum Glück ist trotz tiefer Dunkelheit die Sicht besser geworden. Wie erwartet, dreht der Wind im Laufe der Nacht nach West und wir können auf Direktkurs gehen. Die in diesem Seegebiet vorhandenen, abrupten Übergänge von geringer zu großer Wassertiefe verursachen schon bei einem mäßigen Sturm eine extrem grobe See. Einige Wochen zuvor sind hier zwei Fischerboote mit Besatzung, bei 12 m hohen Wellen verloren gegangen.

      

Doch wir haben es gut abgepasst. Im Laufe der nächsten Tage und Nächte dreht der Wind weiter NW bis N und ist moderat. Die Wellen sind angenehm lang. Am zweiten Tag kommt zeitweise der Motor zum Einsatz und verbessert unsere Energiebilanz. Die Nächte sind recht kalt. Unsere Wachen sind im 3 Stunden Rhytmus eingeteilt. Der Schiffsverkehr läuft paralell, etwa 5 Sm westlich von uns.  Mehrfach werden wir von Delfinschulen begleitet. Die Hauptattraktion sind jedoch zwei etwa 8 m lange Orcas, die in unmittelbarer Nähe von uns akrobatische Luftsprünge vollführen. Man bekommt eine Gänsehaut und feuchte Augen, wenn man diese großartigen Tiere in Aktion sieht.

                                                                Orca´s in Aktion

Auf der Höhe von Cabo Torinana  wird der Wind stark und kommt immer achterlicher (NNE). Bei 14 Knoten Fahrt sprinten wir mit den Wellen um die Wette. An Cabo Finisterre und Cabo Corrubedo  rauschen wir geschwind vorbei.

    

Um Mitternacht zum 01.07.98 umfahren wir die vorgelagerten Insel  zur Ansteuerung von Vigo, und tasten uns unter Motor durch den von Fischerbooten stark frequentierten Canal del Norte in den Rio Vigo. Nach 74 Stunden Fahrzeit haben wir 540 Sm hinter uns gebracht. In den frühen Morgenstunden machen wir im "Real Club Nautico"  im Hafen von Vigo fest. Nach einigen Stunden Schlaf sind Reparatur- und Wartungsarbeiten angesagt. Dann der obligatorische Stadtbummel, Einkaufen, Essen und ....Schlafen.

Am 03.07.98 legen wir um 06:00 ab. Es ist leicht neblig, Sicht 100 m. Bei einem leichten NW-Wind zwischen 5 bis 14 Knoten (2-4 Bft.) erreichen wir am Abend den Hafen von Leixoes und machen in der "Marina Porto Atlantico" am Schwimmsteg fest.
Die Einklarierungsformalitäten für Portugal sind recht aufwändig.

Am 04.07.98 leisten wir uns einen Landausflug in das Tals des Duero mit seinen weltbekannten Weinbergen. Nach einem  Bummel durch die eng gewundenen Gassen der hügeligen Altstadt, besichtigen wir die Barockkirchen, die bekannte alte Eisenbahnbrücke und die am Dueroufer gelegenen Portweingüter.


                                                    PORTO am Rio Duero

 

Beim Abendessen sehen wir wie bei der Fußball-WM die Deutschen ausscheiden. Mit einem süffizianten Lächeln kondoliert uns der Ober.

Am 05.07.98 müssen wir bei leichtem SSW-Wind wegen dichtem Nebel, mit 20 m Sicht,  die Fahrt drosseln.  Am Nachmittag bricht die  Sonne durch und  es klart auf. Wir sehen eine unwirtliche, schroffe und sturmgegerbte Küste. Nach 74 Sm erreichen wir kurz nach Hochwasser am Abend Figuera da Foz. Bevor wir am Schwimmsteg anlegen müssen wir uns einer gründlichen Polizei- und Zollkontrolle unterziehen.

Am 06.07.98 legen wir wegen Starkwind aus SSW einen Hafentag ein.

Am 07.07.98 zeigt der "portugiesische Norder" seine Kraft und schiebt uns mit 24 Knoten Wind (6 Bft.) gen Süden. Beim Cabo Coroeiro und Illha Berlenga schießen wir mit mehr als 15 Knoten Fahrt die 4 m hohen Wellen hinab. Kritisch wird es, wenn beim Surf eine kleinere, steile Welle überholt wird. Das plötzliche Anluven des Bootes, muss durch ein schnelles Schotfieren unterdrückt werden. Es ist atemberaubend und faszinierend in ein solches Naturschauspiel eingebunden zu sein. Beschwingt und erleichtert legen wir im Hafen von Peniche de Cima an. Der freundliche Hafenmeister ist von unserem Tri begeistert und fotografiert ihn von allen Seiten.

 

Am 08.07.98: Nach einer unruhigen, vom Schwell gestörten Nacht, ziehen wir bei einem frischen NW-Wind weiter. Als wir das mächtige Cabo da Roca querab haben, nimmt der Wind kräftig zu. Mit hoher Fahrt erreichen wir den Wegpunkt an dem flachen  Cabo Raso. Urplötzlich wird unser Boot von einer Böe erfasst und droht in die Sonne zu schießen. Durch schnelles Fieren und Abfallen wird der entstandene Segeldruck in Vortrieb umgesetzt. So brausen wir mit mehr als 17 Knoten Fahrt an Cascais vorbei, der Mündung des Rio Tejo entgegen.

  

Am Ponta de Lage erreichen wir das Fahrwasser nach Lissabon, dem wichtigsten Hafen Portugals. Wir nehmen die Segel weg und ziehen zwischen den Bojen und Fischernetzen einerseits, sowie den Fähren und Containerschiffen andererseits, unseres Weges. Vorbei am Torre de Belém suchen wir einen Liegeplatz nahe dem Denkmal von "Heinrich dem Seefahrer". In der überfüllten Marina Belem Doc finden wir am Schwimmsteg eine Lücke in die wir uns hineinquetschen. Hier ist die Bürokratie besonders heftig. Nach dem Ausfüllen mehrerer Formulare, dem Kopieren aller Schiffs- und Personalpapiere, dem Entrichten der Hafengebühren und der Hinterlegung einer Kaution von 1000 Esc.(100 DM), bekommen wir eine Magnetkarte für den Stegzugang. Leider sind Wasser, Strom,  Duschen und WC für uns als Gäste nicht verfügbar!

                    

                  Torre de Belem                                                                               zu Ehren von "Heinrich dem Seefahrer"

Am 09.07.98 besuchen wir die Weltausstellung "Expo 98". Danach besichtigen wir die impossanten Plätze von Lisboa, wundern uns über die unzähligen Kirchen, fahren  mit der legendären Linie "28" durch das mittelalterliche Gassenlabyrinth, blicken über das weißgraue, terrassenförmige Häusermeer, die schattigen Promenaden und erleben die einmalige Atmosphäre dieser Stadt. Vielerorts sind selbst die Pflastersteine mit eindrucksvollen Mosaiken verziert.

     

                       Marina Belem Doc                                                                               Fahrt zur "EXPO 98"

Am 10.07.98 nutzen den mitlaufenden Strom um Lissabon und den Rio Tejo zu verlassen. Schnell haben wir Forte Bugio an der Tejomündung erreicht. Vor dem nächsten Wegpunkt Cabo Espichel  queren fliegende Fische unseren Weg und  ein Dutzend  Delfine  scheinen uns zum  Zweikampf herauszufordern.  Endlich wird  es warm. Zum ersten Mal seit sechs Wochen können wir auf See den dicken Overall und den Faserpelz ablegen. Hier ist wirklich Sommer. Eine gute achterliche Brise, strahlender Sonnenschein und ruhiges Wasser, machen das Segeln zum Genuss. Nach guter Fahrt ereichen wir Sines, wo wir am Schwimmsteg festmachen. Hier ist man wieder freundlich, hilfsbereit und nicht so umständlich. Wir werden in der Geburtsstadt von "Vasco da Gama" einen Ruhetag einlegen und unseren blassen Body mit dem milden Klima verwöhnen.

              

                                                                  Sines

Am 12.07.98 legen wir vor Sonnenaufgang ab. Wir wollen bei Hochwasser in Lagos sein. Mit einem schwachen NW-Wind segeln wir in ruhiger See der Südwestecke Europas entgegen. Gegen Mittag frischt der Wind stark auf und wir machen gute Fahrt (max.Speed 13 Knoten). Mit respektablem Abstand umrunden wir, in langen Wellenformationen das Cabo de sao Vicente.

      

                        Cabo Sao Vicente                                                                                   Einfahrt Marina Lagos

An diesem markanten Leuchtturm fährt der gesamte Schiffsverkehr zwischen Mittelmeer und Nordatlantik vorbei. Böenbedingt, surfen wir in Rauschfahrt um Europas südwestlichsten Punkt, der Ponda da Sagres. Hier hatte einst "Heinrich der Seefahrer" seine Entdeckungsfahrten geplant. Durch herrlich klares, grün-blaues Wasser gleiten wir um die von Wind und See geprägte Landzunge Ponda da Piedade. Vor der Mündung des Rio Bensafrim bergen wir die Segel und laufen bei Hochwasser in die am Ostufer der Lagune gelegene Marina von Lagos ein. Nach dem üblichen Procedere, bekommen wir im modernsten Yachthafen Portugals einen Platz zugewiesen.

Am 13.07.98: Vom Vorbild der hier agierenden Seefahrer angeregt, begeben wir uns mit einem Mietwagen auf die Entdeckung der Algarve. Von den zerklüften Küste mit den reizvollen Buchten und Stränden, fahren wir durch herrliche Wälder zum Gipfel der Algarve, der Serra da Monchique. Dann besuchen wir die Ruinen von Silves und beschließen einen unvergesslichen Tag im gastfreundlichen Lagos. Hier  lauschen wir den "Fado" Gesängen der Einheimischen. Danach erleben wir von Engländern und Franzosen umgeben, das Endspiel der Fußball-WM und werden von der Begeisterung mitgerissen.

  

                          Algarve                                                                                                      Stadt Lagos

Am 14.07.98: Wegen  den  Öffnungszeiten  der  Klappbrücke, können wir die Marina erst erst um 09:30 verlassen. Zunächst weht es mäßig aus NNW, später dreht er nach SSW und frischt kräftig auf. Das warme Wasser und die flache See empfinden wir als sehr angenehm. Bei guter Fahrt sind wir schneller als erwartet vor dem Leuchtfeuer Cabo de Santa Maria, der Ansteuerung nach Faro.

     

Da wir nicht bis zu der für das Einlaufen notwendigen halben Flut warten wollen, nehmen wir wieder Fahrt auf und segeln mit rasantem Speed weiter bis zum Rio Guadiana, dem Grenzfluss zwischen Portugal und Spanien. Mit dem auflaufenden Wasser erreichen wir den flussaufwärts gelegenen Fischerhafen Vila Real de Santo Antonio. Wegen starken Querströmungen und den Strudel im Anlegebereich, haben wir beim Anlegen am Schwimmsteg einige Schwierigkeiten zu überwinden.   Einige Zeit später laufen zwei, von uns überholte, englische  Yachten  ein.  Spontan kommen  die  Segler an unser Boot  und überfallen uns mit  Fragen.  Sie sind begeistert von den Segeleigenschaften  unserer  "allez hop". 

Am 15.07.98 müssen wir warten bis das Hafenbüro öffnet und uns die hinterlegte Kaution (500 Esc.) zurückerstattet. Gerade noch können wir mit dem Strom auslaufen. Anfangs müssen wir unter Motor fahren. Später setzt SSE-Wind ein und wir kreuzen der Bahia de Cadiz entgegen. Schließlich dreht der Wind nach rechts und wir können - im Slalom um einige Fischerboote - das Tagesziel anliegen. Mit dem letzten Büchsenlicht machen wir am Schlengel von Puerto Sherry fest.

Am 16.07.98 genießen wir unser erstes Bad im Atlantik. Danach sind wir Zuschauer bei dem wichtigen relegiösen Ereignis, der Fiesta "Virgen del Carmen". Zu Ehren der Schutzheiligen der Fischer, findet nach dem Kirchgang eine Prozession zum Hafen statt. Die hölzerne Statue der Madonna wird geehrt und auf ein bunt geschmücktes Fischerboot gebracht. 

  

                     Fiesta  in Porto Sherry                                                              Vorbereitungen für den nächsten Fang

Unter ohrenbetäubendem Lärm von Sirenen, Hupen und Gesängen, wird die Prozession auf den Schiffen fortgesetzt und folgt dem, über Top geflaggten  Leitboot auf das Meer.   Auch nach der Rückkehr der Prozessionsflotte wird für die auf See gebliebenen Fischer gebetet und Bittgesänge für den künftigen Schutz abgehalten.

       Bahia de Cadiz     

Am 17.07.98 ziehen wir weiter. Die Windvorhersage für die Bucht von Cadiz lautet NE 3-4. Als sich jedoch gegen 11:00 eine starke südöstliche Dünung einstellt, konsultiere ich nochmal unser "Fastnet Radio" und bekomme eine Navtex-Meldung von 09:00 UTC für das Gebiet Tarifa/Trafalgar, E-Wind 8 Bft. ankündigt. Zunächst lässt der Wind nach und dreht nach SE. Der Barometerstand ist noch unverändert. Wir können 167° später 180° anliegen ... damit können wir uns von Sandbänken vor CaboTrafalgar freihalten. Inzwischen hat der Wind stark zugelegt und es baut sich eine mächtige Welle auf. Wir reffen zweifach, verriegeln alle Luken, Backskisten und Schränke, schalten den Aktiv-Radar-Reflektor ein und schnallen uns fest. Obwohl der Wind jetzt auf 35 Knoten(8 Bft.) ansteigt, in Böen 43 Knoten (9Bft.) segeln wir entschlossen weiter gegenan. Die Alternative wäre raumschots nach Tanger zu segelnDoch die in Marokko üblichen Behördenprobleme halten uns davon ab. Um nicht in den großen, brechenden Wellen abgebremst zu werden , versuchen wir die Fahrt der Beschaffenheit der See anzupassen und manöverieren uns  durch die aufgetürmten Wellenberge. Da unser Tri prompt auf das Wellenprofil reagiert, sind die Bootsbewegungen in der groben See recht  kurz und hart. Vom fliegenden Wasser und Gischt umgeben, wird es recht kalt. Doch das Überziehen  einer warmen Jacke ist nicht möglich. Es wäre zu riskant das Ruder für einen Moment aus der Hand zu geben. Oft müssen wir den auf Gegenkurs befindlichen Großschiffen ausweichen und müssen Abfallen ... was beängstigende Geschwindigkeiten zur Folge hat. Einige haben Erbarmen mit uns und ändern frühzeitig ihren Kurs. Manchmal sehen wir die Schiffe erst wenn wir aus den Wellentälern (6 m Wellenhöhe) wieder auftauchen. 16 Sm südwestlich von Cabo Trafalgar haben wir genügend Überhöhe um die Hafeneinfahrt von Barbate ansteuern zu können. Doch der Strom läuft quer zu unserem Kurs und schiebt uns wieder in die Richtung des unreinen Kaps. Einige Befreiungsschläge in der brutalen See bringen uns wieder in den sicheren Bereich. Ein hartes Wenden würde das Boot zum Stehen bringen und uns damit den Wellen ausliefern. Also muss jede Wende "gesegelt" werden. Das heißt, mit guter Fahrt langsam anluven, damit die Strömung an den Segeln erhalten bleibt und der Vortrieb nicht verloren geht. Endlich liegt die Hafeneinfahrt voraus  ..... da ein Schuss ? ein Knall!  Was ist los ?    .......     Bei der tobenden See ist nichts zu erkennen. Erst beim Näherkommen sehe ich durch meine salzverkrustete Brille, dass kurz vor uns, zwischen einigen offenbar verankerten Booten eine lange Bojenkette ausgelegt ist .... ein Thunfischnetz liegt quer vor der Hafeneinfahrt!  Fluchend müssen wir mehrere Meilen bis zum Netzende aufkreuzen. Nach diesem Umweg geht es vor den Wind, und wir erreichen mit hoher Fahrt den geschützten Hafen. Durchnässt, salzig, erschöpft und erleichtert machen wir im Puerto de Andalucia von Barbate fest. Heute hat unser Trimaran wieder den Beweis seiner Seetüchtigkeit erbracht.                                                                                                                 Dass der Ärmelkanal und die Straße von Gibraltar windige Ecken sind, ist bekannt. Die Tücke des Seereviers hatte schon "Nelson" erfahren, als er nach dem Sieg in der Seeschlacht vor Trafalgar, auf dem Rückweg nach Gibraltar in einem Oststurm fast seine ganze Flotte verloren hatte.

                             

Am 18.07.98 tobt der stürmische Levante (Ostwind) weiter. Wir gönnen unserem geprügelten Schiff und uns einen Ruhetag. In Barbate findet heute eine Fiesta statt. Die Straßen und Häuser sind mit Blumen und Lichterketten festlich geschmückt. Laute Musik, ein exotischer Basar, viele dunkelhäutige Menschen mit afrikanischem Flair, machen die Nähe des schwarzen Kontinents deutlich. Auch im Hafen treffen wir einige exotische Typen. So ... "Ernst", den Dänen, der seit sieben Jahren auf seinem Katamaran lebt und eine Meerjungfrau sucht. Oder ... "Jan van Gent" den Aussteiger, der nach Madeira will und mit einer alten Singer- Nähmaschine seine Segel schneidert. Beide haben bis in die tiefe Nacht viel zu erzählen.

Am 19.07.98 legen wir bei leichtem WSW-Wind ab. Zunächst muss unser "Volvo" arbeiten. Bevor wir Tarifa, den südlichsten Punkt unserer Reise erreichen, kommt ein ständig zunehmender ENE-Wind auf. Eine parallel segelnde, größere französische Regattayacht fordert uns mit einem "allez hop" zu einem Match-Race auf. Wir nehmen die Herausforderung dankend an. Und los geht das Duell auf der Kreuz nach Gibraltar. Obwohl unser Gegner sehr hoch am  Wind segelt und die gesamte Mannschaft auf der hohen Kante ausreitet, können wir trotz mehr Wendemanövern, dank höherer Geschwindigkeit einen klaren Vorspung heraussegeln. Erst als in der Bahia de Algeciras der Wind nachlässt, macht sich die größere Segelfläche der Franzosen bemerkbar und der Abstand wird etwas kleiner. Dennoch erreichen wir 10 Minuten eher die britische Kolonie Gibraltar, wo wir in der Queensway Marina an Mooring und Schwimmsteg festmachen. Nach ihrem Anlegen kommen die Match-Race Gegner an unser Schiff, beglückwünschen uns und sind von den Segeleigenschaften unseres Trimaran sehr angetan. Hier begrüßt uns auch der Eigner einer "Swan 42", dem wir auf See mehrfach begegnet sind. Er bezeichnet sich als "Dragonfly-Fan" und hilft uns mit seinen Orts- und Sprachkenntnissen.

                                

                                                Bewohner des Felsens von Gibraltar

Am 20.07.98 verlassen wir den Atlantik ... runden den Europa Point  ...  und sind im Mittelmeer!  Mit einer Vollzeugbrise machen wir gute Fahrt. Dabei begleitet uns eine umfangreiche Delfinschule und bietet uns eine seltene Show.  Sie spielen mit unserem Boot. Tauchen unter dem Schwimmer durch; Kreuzen vor dem Bug; Springen synchron in Gruppen; stoßen ab und zu beim Auftauchen mit dem Kopf an das Trampolin unserer Schwimmer, oder schwimmen in Rückenlage und grinsen uns an. Wenn ab und zu eine Böe einfällt und unser Boot von 10 auf 15 Boot beschleunigt, sind sie kurz überrascht  .... geben Gas und nehmen den Wettkampf wieder auf. Offenbar haben sie genau so viel Spaß wie wir. Mehrfach segeln wir an runden Gegenständen vorbei, die plötzlich den Kopf heben und sich als Schildkröten zu erkennen geben. Viel zu schnell erreichen wir, mit einem Schnitt von 9,8 Knoten Fahrt pro Stunde  Marbella. Im idyllischen Stadthafen machen wir nach einem schwierigen Anlegemanöver fest. Die wunderschöne, gepflegte Altstadt besteht aus einem Wirrwarr enger Gassen und winziger Plätze. Der Stadtkern lässt sowohl maurische als auch christlische Ursprünge erkennen. Alles wird umrahmt von üppigem Grün, farbenträchtiger Bougainvilla und vielen bunten Blumen. Wir speisen unter Orangenbäumen auf der "Plaza de Los Naranjos", trinken einen guten Rioja und bewundern den klaren Sternenhimmel.

                           

Am 21.07.98 segeln wir bei frischem W-Wind los. Gegen Mittag nimmt er deutlich zu und treibt uns mit 28 Knoten (7 Bft.) die andalusische Küste entlang. In der Marina del Este finden wir den hinter Felsen gut geschützten, idyllischen Privathafen. 

                

                                                                                                      Marina del Este

Am 22.07.98 mieten wir uns ein Auto und erkunden ein Stück Andalusien. Der extremen Hitze wegen sind die Häuser mit Kalk geweißelt und weiträumig in der gebirgigen Landschaft verteilt. Um uns etwas abzukühlen, packen wir unser Hab und Gut in den Kofferraum. stellen den Wagen auf einen strandnahen Parkplatz und springen ins Wasser. Kurz darauf kehren wir zurück und finden das Auto .... total ausgeräumt!!! Der Schaden ist beträchtlich (Fotoausrüstung, Pässe, Führerscheine, Kreditkarten, 2000 DM, Uhren, Kleider, Schuhe, Einkäufe ...). Uns bleibt nur die Badehose und ein Sonnenhut, in dem wir glücklicherweise  Peseten deponiert haben.  Damit können wir gerade noch das Hafengeld bezahlen.
Die Meldung bei der Polizei ist sehr umfangreich und zeitraubend.

Am  23.07.98 sorgt eine leichte Brise für eine geruhsame Fahrt, die wir für anstehende Reparatur- und Wartungsarbeiten nutzen. Wieder werden wir von Delfinen begleitet, begegnen mehreren Schildkröten und sehen einen Schwertfisch in großen Sprüngen an uns vorbei toben. In der riesigen, halbvollen Marina de Almeria können wir längsseits festmachen.

Die nächsten Etappen führen uns

am 24.07.98 zum reizvollen Fischerhafen von Garrucha,        

am 25.07.98 in eine schöne Ankerbucht im Golf de  Mazzaron,

am 26.07.98 in den ruhigen, kuscheligen Hafen am Cap Roig.

Am 27.07.98 versucht man uns in dem nur mäßig belegten Hafen von Alicante mächtig abzuzocken. Hier sollen wir den vierfachen Preis für unseren Liegeplatz bezahlen! Da nicht einzusehen ist, dass unser Swing-Wing Trimaran (10 x 3,80m) mehr kosten soll als eine Mega Motoryacht (20 x 6m), legen wir verärgert ab. Einige Male, so auch hier haben wir den Eindruck, dass Fahrtensegler nicht willkommen sind.  Wir fahren weiter und finden in der gepflegten Marina von Campello freundliche Leute, normale Preise und einen guten Liegeplatz für die Nacht.

Am 28.07.98 überqueren wir den Nullmeridian von West nach Ost. Mit einer mäßigen Brise segeln nach Morayra. Dies ist eine Marina, die offensichtlich nur für Motorboote mit hohem Freibord gebaut wurde. Normale Segelboote können hier nur im Päckchen liegen. Wegen notwendigen Instandhaltungsarbeiten (Winschen, Ölwechsel, Gelcoatschäden) legen wir einen Ruhetag ein.

Am 30.07.98 verlassen wir das spanische Festland und segeln bei einem frischen SSE-Wind, mit flottem Tempo den Balearen entgegen. Vor Formentera lassen wir unseren Anker in der traumhaft schönen Bucht von Sabina fallen. Das Wasser ist türkisfarben und kristallklar. Wasser 26°, Luft 30°.

Am 31.07.98 segeln wir an der flachen Insel Espalmador vorbei und kreuzen zu der nahegelegenen Insel Ibiza. Dort machen wir im sauberen Puerto Santa Eulalia fest.

Am 01.08.98 ziehen wir bei schwachem bis mäßigem W-Wind nach Mallorca weiter. In der überfüllten Marina El Torro können wir an der Wartepier anlegen. Unsere Bemühungen einen Liegeplatz für die nächsten Monate zu finden sind leider vergebens.

 

Am 03.08.98 segeln wir bei 24 Knoten (6 Bft.) ENE-Wind nach Sa Rapita. Die Marina ist jedoch überfüllt. Wir ankern in der Nähe der Hafeneinfahrt und verlegen uns am Abend an die Wartepier. Leider ist unsere Genua längs am Achterliek eingerissen.

                   

                                                          Sa Rapita

In den folgenden Tagen klappern wir, auf der Suche nach einem längeren Liegeplatz, mehrere Marinas rund um Mallorca ab. Doch  ...  leider Fehlanzeige.  Alles ist überfüllt!   Lediglich in Sa Rapita stellt man uns einen Landliegeplatz in Aussicht. Allerdings befindet sich der Travellerlift zur Zeit in Reparatur. Wohlwollend gewährt man uns für die Zwischenzeit am Kopf eines Steges vorübergehend Asyl.

                    

FAZIT: Von Skaerbaek (Kleiner Belt/Dänemark) bis Sa Rapita (Mallorca)   

             wurden  insgesamt  3.112 Sm zurückgelegt.

Davon  2.676 Sm unter  Segel   =   86 %

             436 Sm unter  Motor   =   14 %     

Fahrzeiten:     45 Fahrtage, einschl. 6 Nachtfahrten       

Hafentage:     24 Hafentage, davon 12 wetterbedingt

* pro Tag wurden durchschnittlich 69,1 Sm zurückgelegt                 

* die durchschnittliche Geschwindigkeit betrug  7,38 Sm/Stunde   

* das größte Etmal betrug  186 Sm                                      

* maximale Geschwindigkeit  19 Knoten

Die Kreuzer Abteilung des Deutschen-Segler-Verbandes, hat diese Reise im Bereich Hochsee

mit einer Silbermedaille ausgezeichnet.

 

Autor: Willy Dumont                     


      

        

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