" Zu Wasser und zu Land, aktiv sein im Ruhestand "
S E G E L J A H R E 

Im Rückblick auf unser Leben, nehmen die 40 Jahre, die meine Frau Eleonore und ich mit Segeln verbringen durften, einen besonderen Stellenwert ein. Erst spät - aber nicht zu spät. konnten wir unserer Sehnsucht nach der Weite der See nachgehen und in unserer freien Zeit die Faszination des Seesegelns zu erleben. In nahezu zweieinhalb Jahrzehnten haben wir uns mit den Naturbedingungen auf den Meeren rund um Europa, sowie der Karibik auseinander gesetzt und viele Facetten des Seesegelns kennen gelernt. Denn man kann auf See an einem Tag mehr erleben, als irgendwo sonst.

Um unsere seglerischen Fertigkeiten weiter zu entwickeln, suchten wir parallel zum Seesegeln den Kontakt mit Gleichgesinnten. Die beste Gelegenheit dazu bietet das Regattasegeln mit einer Jolle. Gesagt - getan. In vier Jahrzehnten konnten wir an mehr als 500 Regatten teilnehmen und haben dabei achtbare Ergebnisse erzielt.

Hier ein Rückblick über 40 Jahre Segeln:

Es begann 1977 mit einem jugoslawischen Bootspatent, das uns erlaubte, ein Motorboot auf der Adria zu chartern. Mit einer "BIRCHWOOD 32" machten wir unsere ersten Wassersporterfahrungen in der Erkenntnis, dass die totale Abhängigkeit von einem Motor unsensibel und unsicher ist. Nachdem wir anschließend mit Petar, einem segelnden Fischer unterwegs waren und dabei die Vorzüge des Segelns erfuhren, stand unser Entschluss fest. Wir waren begeistert von der Auseinandersetzung mit Wind, Wellen und Wetter. Als Konsequenz nutzten wir einen Urlaub auf Mallorca um in der Bucht von Puerto Pollensa einen Segellehrgang mit A-Schein Abschluss zu absolvieren.

André, ein jugoslawischer Segler, den wir in Piran kennengelernt hatten, bot sich an für uns ein passendes Schiff zu besorgen um es dann im Charterbetrieb zu betreuen. Dabei sei neben der Eigennutzung ein guter Zugewinn möglich. Der Gedanke  eine Minderung der Unterhaltskosten zu erreichen war verlockend. Ich orientierte mich auf dem Bootsmarkt und entschied mich schließlich für eine "GIB SEA 38", ein Kielschwerter als Ketsch getakelt.
Das Boot wurde im April 1979 in Dienst gestellt und anschließend in die Adria überführt. Die Betreuung wurde an André übertragen, der uns auch bei den ersten Segelerfahrungen behilflich sein sollte. Doch bereits beim ersten Törn ließ er sich von Sergé vertreten. Dies war auch bei der einzigen Vercharterung der Fall. Das Ergebnis wurde ein Flop. Mehrere Schäden am Schiff und der totale Verlust des Tenders machten die Illusion eines Erlöses zunichte. Als Konsequenz beendeten wir die Betreuung durch die jugoslawischen Helfer.

Bei den ersten Törns wurden wir von Clubkameraden begleitet, die uns die nötige Sicherheit vermittelten. Gemäß unserem Motto "wer es nicht versucht, wird auch nicht schlauer" nahmen wir die praktischen Herausforderungen an. Um nautisch besser gewappnet zu sein, absolvierten wir alsbald die Ausbildung für den damaligen BR- und etwas später BK-Schein des DSV.

In den ersten zwei Jahren erforschten wir die damals noch ursprüngliche Insel-welt Jugoslawiens und lernten die Küsten der gesamten Adria kennen. Dabei haben wir erkannt "um die Freiheit und Weite der See zu genießen, darf man niemals den Respekt vor den Kräften der Natur verlieren und niemals vergessen, dass sie ständig da sind". Zu dieser Zeit gab es noch keine elektronischen Hilfsmittel wie GPS, Internet oder Handy. Es wurde noch mit Kompass, Seekarte und Schlepplog gekoppelt. Das Navigieren erforderte stete Wachsamkeit und große Sorgfalt in der Planung der Route, denn die Wetterinformationen waren dürftig und unzuverlässig. Mit jedem Törn begann ein neues Abenteuer, denn Bummeln und Schönwettersegeln waren nicht unser Ding.

Unsere Sehnsucht nach neuen Ufern führte uns 1981 ins östliche Mittelmeer. Die Vielfalt der Inseln, die berechenbaren Winde, die Kultur und die Menschen machen die Ägäis zu einem Traumrevier für Segler. Dabei wurde uns klar "zum Leben auf dem Meer gehört, die Dinge zu nehmen wie sie kommen und man muss das Beste daraus machen". In den folgenden 7 Jahren segelten wir kreuz und quer durch das östliche Mittelmeer und hatten unvergessliche Erlebnisse und Begegnungen. Nach einem Abstecher durch die Dardanellen, das Marmarameer und den Bosporus ins Schwarze Meer, segelten wir 1988 zunächst ins Ionische Meer und danach gen Westen. Nach einem Zwischenstopp in Kalabrien und Tunesien fanden wir in Marina die Pisa einen guten Ausgangspunkt für die Erkundigung des westlichen Mittelmeeres. Von hier aus lernten wir alle Inseln dieses Seegebietes, sowie die italienische-, französische-, spanische- und Teile der nordafrikanischen Küste kennen. Dank der Bauweise und den guten Segeleigenschaften unseres Bootes konnten wir alle Höhen und Tiefen unbeschadet bewältigen. Ein Schiff auf dem man 14 Jahre unterwegs war ist eine hochemotionale Angelegenheit. Daher war es sehr schmerzlich, dass wir aus beruflichen Gründen unsere GIB SEA abgeben mussten.

In den folgenden Jahren verbrachten wir unsere freie Zeit mit Chartertörns auf der Ostsee und der Karibik. Bei einem Törn zu den ABC Inseln lernten wir die besonderen Eigenschaften eines Mehrrumpfbootes kennen und waren von dem Speed und dem aufrechten Segeln begeistert.

Als 1996 unser Berufsleben endete, konnten wir unserem Bedürfnis nach Freiheit und Weite wieder mehr nachgehen. Da nach unserer Erfahrung das Segeln mit kleiner Crew intensiver und unkomplizierter ist, suchten wir ein passendes Boot und fanden bei QUORNING BOATS in Dänemark die ideale Werft. Mit Hilfe von Jens Quorning wurde ein Boot nach unseren Wünschen konzipiert. 

Als wir im Frühjahr, den neuen Trimaran, eine "DRAGONFLY 1000" übernahmen, erlebten wir eine neue Dimension des Segelns. Wir waren zwar schon immer sportlich unterwegs, aber dies war ein Traum von Eleganz und Fortbewegung. Es ist faszinierend wie die Windkraft statt in Schräglage in Vortrieb umgesetzt wird. und das mit der Wendigkeit einer Jolle. So musste man bei einem plötzlichen Böeneinfall sich festhalten und schnell reagieren.

In den folgenden Monaten durchsegelten wir den Großteil der Ostsee zwischen dem Botnischen Meerbusen und dem Skagerak. Wir machten wichtige Erfahrungen und hatten einzigartige  Erlebnisse. Unsere Reiselust führte uns 1997 durch den Nord-Ostsee-Kanal in die Nordsee, dann durch den Ärmelkanal über die Biskaya gen Süden, durch die Strasse von Gibraltar ins Mittelmeer. Das Segeln in den jeweiligen Seegebieten zeigt uns, dass es nicht reicht ein Boot in die geplante Richtung zu steuern. Gegenüber der Ostsee findet man zum Beispiel auf der Nordsee eine raue, kurze und steile Welle, sowie die Abhängigkeit von der Tide. Mehr noch im Ärmelkanal, der völlig von den Gezeiten beherrscht wird. Auch das Atlantiksegeln ist so anders als das was man auf der Ostsee oder dem Mittelmeer vorfindet. Die Wellen sind höher und länger, es ist mehr eine Hügel- und Talfahrt. Unser Trimaran hat sich in allen Situationen bewährt und uns viel Freude bereitet. So konnten wir manchem Tief davonsegeln und manches Duell gewinnen, "denn ein Schiff ist ein Schiff, zwei eine Regatta". 

In den nächsten Jahren segelten wir kreuz und quer durchs Mittelmeer. Nachdem wir mehrere schwierige See- und Windbedingungen gut abwettern konnten, mussten wir 2001 eine bedrohliche Havarie meistern.  Auf dem Weg von Sardinien nach Tunesien brach in ruppiger See ein Wasserstag mit starkem Wassereinbruch ins Boot und einer bedrohlichen Instabilität von  Rigg und Ausleger. Mit Umsicht und viel Mühe gelang es uns das Boot über Wasser zu halten und unter Hoffen und Bangen einen Nothafen zu erreichen.  Leider mussten wir unseren heißgeliebten Tri im Jahr 2002 abgeben. Wir hatten eingesehen, dass sportliches Segeln mit zunehmendem Alter riskanter wird. Besonders die Nachtfahrten waren für eine Zweimann-Crew schwieriger geworden.  Mit Wehmut und Dankbarkeit fand damit das Seesegeln nach 24 Jahren ein Ende.

Wie schon erwähnt waren wir von Anfang an zweigleisig unterwegs. Denn das Regattasegeln mit der Jolle fand überwiegend auf Binnenrevieren überwiegend an den Wochenenden statt. Nach dem Ende des Seesegelns konnten wir uns vermehrt  dem "betreuten Segeln" auf den Regattabahnen widmen. Die Wettkämpfe und die Geselligkeit haben uns viel Freude bereitet. Als wir nach 35 Jahren mit dem SZV unseren Abschied verkündeten, durften wir in der Klassenvereinigung viel Anerkennung erfahren. Neben mehr als 500 Regatten hatten wir auch große Teile der deutschen Ostseeküste mit dem Schwertzugvogel abgesegelt.

Eigentlich wollten wir mit unserem letzten Boot, einem Internationalen Sportboot Typ "J70" dem Sonnenuntergang entgegen segeln. Doch leider musste ich mit 88 Lenzen aus gesundheitlichen Gründen alle Segelaktivitäten beenden.

Wenn wir auf die 40 Jahre Segeln zurückblicken sind wir glücklich und zufrieden, dass wir in einer Zeit leben durften, in der die vielfältigen  Erlebnisse und einzigartigen Begegnungen möglich waren. Vor allem sind wir dankbar, dass wir alle Höhen und Tiefen heil überstanden haben und manche Anerkennung und Erfolge erfahren durften. Ein ganz besonderer Dank gilt Elo, meiner Frau die mir in allen Lebenslagen zur Seite stand und damit erst alles möglich machte.

WILLY DUMONT