" Zu Wasser und zu Land, aktiv sein im Ruhestand "

 Seereise mit dem Trimaran     

OSTSEEBLICKE mit dem neuen Schiff

Gemäß unserem Motto  "aktiv sein im Ruhestand", fahren wir mit vollgepacktem Auto nach Skaerbaek/Dänemark,um das neue Schiff zu übernehmen. Elo, meine Frau hatte gestern noch den letzten Arbeitstag ihres Berufslebens und braucht dringend eine Ablenkung.

Mit freudiger Erwartung kommen wir bei QUORNING BOATS an, und können gerade noch die Abschlussarbeiten unseres Schiffes begleiten.

 

Am nächsten Morgen wird das Boot zum Hafen transportiert, ins Wasser gehievt und der Mast gestellt. Die neue DRAGONFLY 1000 wird auf den Namen         getauft.

 

Nach gründlicher Einweisung, machen wir mit Jens Qourning dieersten Probeschläge auf dem Kolding Fjord. Bei relativ flachem Wasser und 16-20 Knoten Wind (5 Bft.) geht sofort die Post ab. Ich spüre zum ersten Mal, wie sich auf einer Kreuzstrecke 12 Knoten Speed anfühlen. Und das bei fast aufrechter Lage. Als das Boot etwa 15 Grad Krängung erreicht hat, wird die Segelfläche verkleinert. Dabei kann der Reffvorgang einhand und aus dem Cockpit heraus erfolgen. Genau das haben wir uns gewünscht. Ein schnelles Schiff, das gut bedienbar und relativ sicher ist. Wir sind fasziniert wie die Windkraft nicht in Schräglage, sondern in Vortrieb umgesetzt wird. Nur das Swing-Wing-System (das Anklappen der Seitenschwimmer) ist noch etwas gewöhnungsbedürftig.

 

Um die unvermeidlichen technischen Probleme eines Neubaues unter Kontrolle zu halten, werden wir die nächsten Tage im Bannkreis der Werft segeln.

Nach dem unsere Siebensachen im neuen Zuhause verstaut sind, legen wir ab und verlassen den Hafen von Skaerbaek. Elo, meine Frau und ich machen uns mit der ungewohnten Technik des neuen Schiffes vertraut und segeln durch das Nadelöhr des Kleinen Beltes, lassen Middelfart an Steuerbord und Fredericia an Backbord liegen. Windarme Abschnitte werden hier von harten Böen unterbrochen. Eben segeln wir noch mit 4 Knoten Fahrt bei SW-Wind und im nächsten Augenblick dreht der Wind auf N und "allez hop" beschleunigt auf 12 Knoten. Man muss sich förmlich festhalten. Aber vom Jollensegeln her sind wir gewohnt, schnell zu reagieren. Die gut dimensionierten SETAMAR Winschen sind in der Regattaszene erprobt und erlauben ein schnelles Handling sowie ein feinfühliges Fieren der Schoten. Als wir aus der Landabdeckung heraus sind, nehmen wir die Südspitze von Samsö ins Visier.

 

  Luvschwimmer  Leeschwimmer

Der Wind frischt etwas auf und kommt immer mehr von vorne. Unser Luvschwimmer hebt leicht das Bein schwebt sanft über die Wellen. Nach guter Fahrt erreichen wir am Abend den Inselhafen Ballen. Unser erstes Hafenmanöver dauert zwar etwas länger, klappt aber nicht schlecht. Um manöverfähig zu sein, muss das Schiff immer etwas in Fahrt bleiben. Stolz und gut gelaunt wandern wir zum nahegelegenen Restaurant und lassen uns mit einem köstlichen Fischgericht verwöhnen.

 

Ballen / Samsö

Der nächste Morgen meint es zunächst noch gut mit uns. Bei der Backstagsbrise aus NNE können wir die Genua  mittels Barberholer weit außen über dem Seitenschwimmer schoten und so einen optimalen Segelstand erreichen. Nachdem wir den Wegpunkt  Romsoe Tue passiert haben zieht sich der Himmel immer mehr zu und der Wind wird deutlich stärker. Wir müssen die Segel verkleinern. 

 Obwohl die Sicht durch den einsetzenden Regen die Sicht immer schlechter wird, können wir im Hintergrund die Silhouette der Großen Beltbrücke erkennen. Da die Brücke sich noch in Bau befindet, gibt es keine genauen Angaben über die Durchfahrtshöhe zwischen den Pfeilern. Inzwischen bläst der NE Wind mit 26 Knoten(6 Bft.) und wir müssen das Großsegel nochmal reffen. Mit über 12 Knoten Fahrt brausen wir auf die Brücke zu. Ich schätze, dass zwischen dem 3. und 4. Brückenpfeiler eine Durchfahrt für 18 m Masthöhe möglich ist. Gebannt schauen wir nach oben ... es reicht. Erleichtert ändere ich den Kurs in Richtung Nyborg. Der Wellengang ist hier sehr ruppig und die Böen werden immer härter. Dichter an der Küste sehe ich eine Yacht, die offenbar ruhigeres Wasser nützen möchte. Ich bitte Elo zu schauen, wie tief es da drüben ist. Sie sieht in die Karte und als sie wieder hochkommt, muss ich ihr sagen: "es hat sich erledigt". Denn inzwischen ist die Segelyacht an der Küste gestrandet und sitzt hoch auf den Felsen.

Dumm gelaufen

Rasant brettern wir weiter zum Nyborg Lystbadehavn. Hier erwartet uns bei seitlichem Starkwind ein schwieriges Anlegemanöver.  Bei strömenden Regen ist der Hafen menschleer. Der Abstand zwischen den Dalben hat höchstens 4 Meter. Da unsere Bootsbreite 3,85 m beträgt, müssen wir zur Schadensvermeidung sehr viel Mühe investieren. Erschöpft knüpfen wir unser Cockpitzelt an das Sprayhod an und machen uns trocken. Die Dieselheizung sorgt schon bald für etwas Wohlbehagen.

Es hat die ganze Nacht hindurch geschüttet und der Wind bläst unvermindert stark mit 30 Knoten. Wir legen einen Hafentag ein und erkunden mit Ölzeug bekleidet die Stadt Nyborg und Umgebung.

Leinen los und ab geht es. Eine dichte Wolkendecke verdunkelt den Tag. Es ist kalt und der Wind dreht zwischen NE und SE. Die Segelstellung muss oft verändert werden. Während wir an der SE-Küste von Fünen und Langeland  entlangsegeln, muss mehrfach gerefft und wieder ausgerefft werden. Es ist zu keinem Zeitpunkt langweilig, denn die schmale Fahrrinne zwischen der Insel Tasinge und Svendborg macht das Segeln schwierig, so dass wir einige Male die Maschine mitlaufen lassen. Nachdem wir die Inseln Avernako und Lyo passiert haben sind wir wieder in freiem Wasser und können es laufen lassen.

Am Abend legen wir im Hafen von Assens an. Leider sind auch hier die Boxen zu schmal, so dass wir uns quer vor den Dalben plazieren.

Das letzte Teilstück durch den Kleinen Belt  haben wir bei 17 Knoten Wind (5 Bft.) aus NNE zügig durchsegelt und können vor Mittag im Hafen von Skaerbaek längsseits anlegen. Nach unseren Testfahrten und " Rund Fünen " sind die ersten 237 Sm im Logbuch eingetragen. Da am Schiff noch einige Nachbesserungen notwendig sind, bleiben wir 2 Tage vor Ort.

Mängelbesprechung mit Jens Quorning

Nachdem die anstehenden Verbesserungen und Ergänzungen (Halterung für Bügelanker, Sturmfock, Klampen...) abgehakt sind, starten wir am frühen Morgen des 08.07.97. Der 18 Knoten starke NW-Wind treibt uns vor sich her, so dass wir schon am frühen Nachmittag vor Schleimünde stehen und den überfüllten Hafen von Maasholm anlaufen. Nach langer Liegeplatzsuche machen wir unter schwierigen Wind- und Platzbedingungen längs an einem Stegkopf im Vorhafen fest. Es ist schwer für ein viereckiges Boot einen Platz von mindestens 4 m Breite zu finden. Hier treffen wir unsere Segelfreunde Erika und Rudi mit denen wir in den 80 er Jahren einige Mittelmeertörns auf unserer GIB SEA 38 gesegelt sind. Wir verleben gemeinsam ein paar schöne Stunden und beschließen, dass Rudi uns ein paar Tage begleitet.

Beim etwas gewaltsamem Ausbringen der Beams, reisst eine Ausholerleine. Als Grund zeigt sich, dass der Endbeschlag der Sicherungsspiere herausgezogen und dadurch zu lang war. Die lädierte Leine wird ersetzt und wir legen etwas verspätet ab. Bei 4-5 Bft. NW-Wind überqueren wir ruck-zuck die Kieler Bucht und erreichen am späten Nachmittag den Hafen von Bagenkop, wo wir im Päckchen festmachen.

Das Ablegen unter Motor wird von einem ungesunden Geräusch und starken Vibrationen bis zu heftigem Schütteln begleitet. Mitten im vollen Hafen fällt die Maschine komplett aus und unser Boot driftet ohne Antrieb zwischen den Schiffen hindurch. Elo sitzt zum Abhalten auf dem Bugkorb. Es gelingt ihr sich an einem Dalben festzuhalten, doch der Wind ist stärker und schiebt das Boot weiter. Elo´s  Arme und Beine werden immer länger. Zur Freude aller Zuschauer, verliert sie den Halt und hängt wie ein Affe, mitten im Hafenbecken am glitschigen Pfahl. Der Tri treibt weiter und kann erst am Hafenende abgefangen werden. Inzwischen ist Elo vom Dalben abgerutscht und sucht schwimmend einen Ausstieg. Mit Leinen können wir unser Schiff an den Kai verholen und festmachen. Wir suchen die Ursache und sehen, dass die Flanschverbindung zwischen Welle und Getriebe sich gelöst hat. Offenbar waren die Schrauben nicht gesichert (ohne Federringe). Dabei wurde der Krümmer am Ausgang verbogen und die Dichtung beschädigt. So gut es geht wird die Verbindung wieder hergestellt. Bei nächster Gelegenheit muss die Motorausrichtung kontrolliert und neu vermessen werden.

Am 11.07.97 kann es weitergehen. Bei leichtem bis mäßigem NW-Wind segeln wir durch den LangelandBelt und passieren die Westküste von Lolland . Im Hafen der kleinen Insel Veljroe finden wir ein ruhiges Plätzchen. Es ist noch früh am Tag, so dass wir uns einen ausgiebigen Rundgang auf dem idyllischen Eiland leisten.

Sonnenuntergang auf Velrö

Bis zu der nördlichen Mündung des Guldbrand Sund kommt bei leichtem NW-Wind unser Gennaker zum Einsatz. Die folgende Passage windet sich zwischen den Inseln Lolland und Falster. Die schmale Fahrrinne wird in Guldborg und Nyköbing von Klappbrücken überquert. Wegen den wechselnden Wind- und Kursrichtungen muss teilweise unter Maschine gefahren werden. Nach dem Verlassen des Sund´s könnte wieder frei gesegelt werden. Doch es läuft nicht wie gewohnt. Ein Blick nach hinten zeigt, dass wir eine lange Schleppe von Seegras mit uns ziehen. Nachdem Schwert und Ruder von dem Anhängsel befreit sind, geht die Speedanzeige wieder auf normale Werte hoch. Im Hafen von Gedser machen wir fest.

Am 13.07.97 können wir bei achterlichem Wind mit Passatbesegelung zügig die Südküste von Lolland entlangsegeln.Und dies bei strahlendem Sonnenschein, ruhigem Wasser und 12 bis 14 Knoten Speed - kann Segeln schöner sein? Da wir heute früh sind, finden wir im Hafen von Bagenkop einen geeigneten Liegeplatz.

Um Rudi unversehrt zu Erika, seiner Frau, zurück zu bringen, machen wir uns früh auf den Weg. Bei einem frischen SE-Wind von 17 Knoten (5 Bft.) haben wir die 28 Sm nach Maasholm in weniger als 3 Stunden zurück gelegt. Da es hier einen VOLVO-Service gibt, verabreden wir eine Motorinspektion für den nächsten Tag. ... Der Motor muss neu ausgerichtet werden, da mehrere Verbindungen gelockert sind. Auch mit unserem FASTNET RADIO haben wir ein Problem. Bei einem Anruf in Hamburg erfahren wir, dass der Chef morgen auf seiner Yacht in Kiel sei.

Am 16.07.97 fahren wir unter Maschine nach Kiel und ankern in der Strander Bucht. Mit dem Handy nehmen wir Kontakt mit Herrn Grothmann von FASTNET RADIO auf und verabreden uns für Nachmittag in Holtenau an der Schleuse. Dort finden wir auf einem Segelschoner die erforderliche Hilfe. Das Urteil der Fachleute fällt verherend aus. Das Gerät ist falsch angeschlossen, das Erdkabel völlig unterdimensioniert und der Zugang ist innen abgedreht. Der Decoder muss im Werk repariert werden und kann übermorgen in Heiligenhafen wieder eingebaut werden.  Am nächsten Morgen fahren wir unter Maschine bei leichtem Nebel und Nieselregen an der HohwachterBucht vorbei zum Yachthafen von Heiligenhafen. Leider finden wir hier keinen geeigneten Liegeplatz, so dass wir mit aufgeholtem Schwert und Ruder, im Flachwasserbereich festmachen müssen. Von dem FASTNET-Fachmann erfahren wir, dass der Wetterdecoder noch nicht da ist. Also müssen wir einen zusätzlichen Hafentag einlegen. Da eine SETAMAR-Winsch blockiert ist, ordern wir einen Servicemann, der die Bremse mit einem Trick löst. Wieder haben wir etwas gelernt.

Am 19.07.97 wird das FASTNET-RADIO neu installiert und es funktioniert auch. Der FMD55P ist ein automatisches Kompaktsystem mit einem vollwertigen SSB-Empfänger, einem Barograph und einem hochwertigen Navtexempfänger mit integriertem Drucker. Zur Zeit findet die "Travemünder Woche" statt, an der ich die letzten zehn Jahre immer teilgenommen habe. Wir wollen den Segelkameraden der SZV-Klasse einen Besuch abstatten und uns nach dem Verlauf der Wettfahrten erkundigen. Gegen Mittag legen wir ab und kreuzen bei 18 Knoeten E-Wind (5Bft.) unter der Fehmarnsund-Brücke hindurch. Ich wundere mich über den ungewohnt starken Ruderdruck. Nachdem wir abfallen und Kurs auf die Lübecker Bucht nehmen, wird die See immer ruppiger und der Wind nimmt stark auf 32 Knoten (7 Bft.) zu. Beide Segel sind gerefft. Die Sicht ist auf eine halbe Meile begrenzt und das nur auf der Höhe der Wellenkämme. Aber es sind eh keine Schiffe unterwegs. Ich kann das Ruder nur mit größter Anstrengung halten. Bereits nach 3 Stunden haben wir die Ansteuerung von Travemünde erreicht. Um die Fahrt zu drosseln, nehmen wir die Genua ganz weg und rauschen mit achterlichem Wind in die Trave hinein. Mit einigen Halsenmanövern bei 14 Knoten Fahrt segeln wir durch den Hafenverkehr hindurch und an der PASSAT vorbei. Erst nach einer Abbiegung können wir unser Großsegel bergen. Hinter dem Priwall-Hafen beim Seniorenheim "Rosenhof" finden wir einen geschützten Liegeplatz und können längsseits anlegen.  Wegen des starken Windes sind alle Regatten für den Tag abgesagt. Dadurch sind viele Segelkameraden im Passathafen und am Priwallufer, die uns bei unserer rasanten Vorbeifahrt zuwinken.

Da wir uns im Kreise der "Zugvögel" immer sehr wohl fühlen, werden wir zwei Hafentage einlegen. Es gibt eh einiges zu tun. So ein neues Schiff steckt halt voller Probleme. Als wir in Heiligenhafen zum ersten Mal das Schwert aufholen, blockierte dieses und wir können es nur unter großen Schwierigkeiten wieder frei bekommen. Um an den Schwertkasten heran zu kommen muss der Tisch im Salon abgebaut werden. Es zeigt sich, dass   an der Rollenumlenkung zur Schwerttalje eine Leine vom Block abgerutscht ist.  Bei der Untersuchung des überhöhten Ruderdruckes ergibt sich, dass das  Ruderblatt nicht genügend abgesenkt war. Mit jedem neuen Problem lernen wir die Technik  des neuen Bootes und seine Tücken   etwas  besser kennen.     Bernd, ein Berliner Segelfreund, wird uns die nächsten Tage begleiten.

                   

Gut gelaunt nehmen wir am 22.07.97 wieder Fahrt auf. Bei leichtem bis mäßigem NE-Wind erreichen wir am Abend  Warnemünde. Hier findet zur Zeit die "H-Boot" Weltmeisterschaft statt und der Hafen ist dicht. Nach einigem Suchen, können wir im Alten Strom im Päckchen in der dritten Reihe festmachen.

Bei strahlendem Sonnenschein und Flaute, legen wir fühmorgends ab. Gegen Mittag passieren wir Darß. Ein leichter NE-Wind lässt uns bis zur Nordspitze von Hiddensee segeln. Durch Meeresströmungen befindet sich die Insel in einem ständigen Wandel. Dem entsprechend muss die Ansteuerung zum Hafen von Vitte besonders aufmerksam erfolgen. Die eng begrenzte Tonnenstrasse erfordert Motoreinsatz. Obwohl wir relativ früh da sind, ist kaum ein Liegeplatz für die Nacht zu finden. Schließlich quetschen wir uns im Flachwasserbereich in eine Lücke.

 

Die westlich von  Rügen gelegene Insel Hiddensee hat einen hügeligen, über 70 m hohen Nordteil, eine Dünen- und Heidelandschaft im zentralen und eine flachen, nur wenige Meter hohen Südteil. Neben dem Hauptort Vitte erkunden wir den im Hochland gelegenen Ort Kloster. Das kulturelle Zentrum findet sich bei der Inselkirche und dem Friedhof, mit dem Grab von Gerhart Hauptmann.

Nach einem ausgiebigen Frühstück - hier werden die Brötchen ans Boot gebracht - verabschieden wir uns von dem schönen Eiland. Mit Leinenhilfe verholen wir "allez hop" ins tiefere Wasser und bringen Schwert und Ruder wieder in Normalposition. Durch das von vielen Untiefen gesäumte Fahrwasser hindurch, erreichen wir freies Wasser und nehmen Kurs auf das Deutsche Nordkap. Das Kap Arkona ist eine 45 m hohe, aus Kreide und Geschiebemergel bestehende Steilküste im Norden der Insel Rügen. Dieser markante Punkt wird von zwei Leuchtürmen gekrönt, die wir noch lange in der Rückpeilung sehen. Es ist schwachwindig um Nord, so dass wir zum großen Teil unter Motor fahren und unsere Batterien laden können. Die Wasserfläche ist von riesigen Algenfeldern bedeckt. Die übermäßige Algenvermehrung wird durch Abwasser und Überdüngung verursacht und führt zu bedrohlichen Ausdehnungen der Wasserblüte. Am Abend erreichen wir bei strahlendem Sonnenschein den östlichsten Punkt Dänemarks, die Insel Bornholm. Im Hafen von Hasle findet sich ein geschützter Liegeplatz.

Bernd, unser Begleiter muss wieder nach Hause und steigt hier aus. Leider waren ihm, dem begeisterten Segler keine guten Segelbedingungen beschert. Wir legen einen Hafentag ein und unternehmen eine Busrundfahrt. Die Insel besteht aus einer leicht welligen Hügellandschaft, die zur Mitte hin ansteigt. Die alte Kaufmannsstadt Rönne, ist der wichtigste Hafen der Insel mit Fährverbindungen zu allen Ostseestaaten. Das Stadtbild wird durch die aus dem 13. Jahrhundert stammende Nikolaikirche und viele gut erhaltenen Fachwerkhäuser geprägt.

Rönne/Bornholm - Nikolaikirche + Leuchtturm

Am 26.07.97 legen wir früh bei leichtem N-Wind ab. Wegen Nebel tutet es von allen Seiten. Allmählich wird die Sicht besser und Sonne bricht durch. Der Wind dreht nach West und nimmt auf 14 Knoten (4 Bft.). Also beste Segelbedingungen. Schade dass Bernd schon weg ist. Wir kommen gut voran und erreichen gegen Abend, den am Eingang zum Kalmarsund gelegenen schwedischen Hafen von Sandhamms.

Schon früh am Morgen rüttelt der Wind an unseren Festmachern. Nach dem Ablegen geraten wir in eine dicke Nebelsuppe. Wir schalten unseren OCEAN SENTRY an. Das ist ein im Masttop befestiger Aktiver Radarreflektor der die ankommenden Radarechos verstärkt und wieder zurücksendet. Mit einem frischen SW-Wind kommen wir gut voran. Allmählich wird die Sicht besser, der Wind legt zu und dreht nach Süd. Bei maximalem Speed von 14,5 Knoten erreichen wir schon am frühen Nachmittag die Ansteuerungstonnen zum Hafen von Kalmar. Kurz bevor wir an der Pier festmachen können, zieht eine Gewitterfront auf. Harte Böen peitschen das Hafenwasser auf und starke Regenschauer erschweren das Anlegemanöver. Nachdem alles festgezurrt und gesichert ist, sind wir erleichtert, denn ohne unsere schnelle Fahrt wären wir arg gebeutelt worden.

Die ganze Nacht pfeift der Wind sein Lied durch das Rigg und das Boot schaukelt unrythmisch im Schwell. Da es auch am Morgen unvermindert mit über 37 Knoten (8 Bft.) bläst, werden wir eine Pause einlegen. Hier scheint die Segelsaison schon zu Ende gehen, denn die Toiletten und Duschen sind bereits geschlossen und eine Hafengebühr wird nicht erhoben. Unser Stadtrundgang durch eine der ältesten Städte Schwedens, führt uns durch historisch bedeutsame Stadtteile, den Dom und das Schloss. Eine Besonderheit sind drei in Höhe aufsteigende Holzhäuser mit dem Namen "Tripp Trapp Trull".    

 

Am 29.07.97 ziehen wir weiter. Der Wind dreht von SW über W nach NW mit 14 bis 19 Knoten (4-5 Bft.) Unter der imposanten Ölandbrücke hindurch geht es nordwärts den Kalmarsund hoch. Die über 6 km lange Brücke verbindet das schwedische Festland mit der Insel Öland. Sie steht auf 156 Pfeilern, ist in der Mitte 42 m hoch und war früher die längste Brücke Europas.

Durch den ablandigen Wind ist der Wellengang moderat und "allez hop" erreicht Geschwindigkeiten zwischen 14 und 16 Knoten.So geht es fast wie im Flug nordwärts durch den Kalmarsund und am frühen Abend erreichen wir den wunderschön gelegenen kleinen Hafen von Figeholm, wo wir beim Bâtklubb an einer Festmachertonne anlegen. Leider gibt es hier kaum Versorgungsmöglichkeiten.

Figeholm

Unser Autopilot verweigert seit einigen Tagen seinen Dienst. Um einen AUTOHELM-Service zu erreichen, müssen wir nach Västervik. Dieser größere Ort liegt im Gamebyviken-Fjord. Die Ansteuerung durch den idyllischen Schärengürtel, durch enge Durchfahrten und vorbei an einer malerischen Landschaft ist ein besonderes Erlebnis.

Sparo-Grönö Passage

Da der Autopilot mit der gesamten Elektronik vernetzt ist, muss das Steuergerät ausgebaut und geprüft werden. Leider ist der Defekt nicht reparabel und das Gerät muss ausgetauscht werden. Bis das neue Teil da ist, vergehen 3 unfreiwillige Wartetage. Wir nutzen die Gelegenheit für ein Check Up des gesamten Bootes. Unter anderem haben sich wieder die Schrauben an den Motorfundamenten gelockert. Sie werden nachgezogen und gesichert. Als der Ersatz für den ST 4000 Wplus wieder eingebaut ist, können wir am Mittag des 02.08.97 unsere Reise fortsetzen.

Obwohl der N-Wind zwischen 18 und 25 Knoten (5-6 Bft.) weht, ist die Welle innerhalb der Schären relativ ruhig. Doch das Navigieren auf der Kreuzstrecke mit einem 12 Knoten schnellen Schiff ist wegen der vielen Riffe und Unterwasserfelsen sehr aufregend. Elo, meine Frau hält mit kleinen Tapestreifen auf der Seekarte ständig die aktuelle Position fest. Durch die Vielzahl der nicht sichtbaren Untiefen, muss das sehr schnell gehen. Einige mal schreit Elo laut auf. Ich leite eine schnelle Wende ein ... der Tri hebt das Luvbein und der Schwimmer schwebt haarscharf über den kaum sichtbaren Fels hinweg. Ich bin von der Wendigkeit des Tri begeistert ... ein solch präzises Verhalten kenne ich nur vom Jollensegeln.   Um diese wunderschöne Gegend zu geniesen, laufen wir nördlich von Vösslingsö eine geschützten Ankerbucht an. (38°10,42 N / 16°65,19 E) Nach der Ankerkontrolle erkunden wir schwimmend die scheinbar unberührte Umgebung und bewundern die kaum untergehende Sonne. 

 Mitternachtssonne

Am 03.08.97 geht schon früh der Anker auf. Die See ist unbewegt und wir "jockeln" durch den dunstigen Morgen. Der Autopilot erfüllt korrekt seinen Dienst, denn heute fahren wir durch freies Wasser. Der Himmel ist leicht bedeckt mit typischen Ostseewolken. Gegen Abend erreichen wir das südlich von Stockholm gelegene Nynäshmn. In Schweden liegt meist vor der Liegebox eine Tonne, an der die achterliche Festmacherleine mit einem "Schwedenhaken" eingeklinkt wird. Nach einigem Üben klappt das auch ganz gut.

Bei einem moderaten NE-Wind kreuzen wir durch den östlich von Stockholm gelegenen Schärengürtel und freuen uns über die großartige Landschaft. Am Abend ankern wir in einer nach allen Seiten geschützten Bucht in den Schären. Der nächste gelegene Ort ist Lökaön. Beim abendlichen Blick in den unvergleichlichen Abendhimmel fällt uns auf, dass die ersten Kraniche bereits in Richtung Süden fliegen. Um die nördlichen Breiten zu erreichen sind wir etwas zu spät gestartet.

 

Als wir aus unserer geschützten Ecke heraus sind, empfängt uns ein 18 Knoten starker NNW-Wind  (5 Bft.).Wieder steht uns ein aufregender und rasanter Ritt durch die Schärenfahrwasser bevor. Da kleinere Felsen in der Seekarte nicht vermerkt sind und Seezeichen nur an markanten Stellen stehen, ist höchste Aufmerksamkeit geboten. Am Abend biegen wir in den Norrtäljeviken-Fjord ein und machen im Fischerhafen von Gräddö fest. Da der Wind von der Seite kommt bereitet uns das Anlegen einige Schwierigkeiten. Schon das Anklappen der Seitenschwimmer ist in dem engen Hafen beschwerlich, weil bei dem böig drehenden Wind das Boot kaum im Wind zu halten ist. Das leichte Schiff wird sofort auf die Seite gedrückt, wenn nicht genügend Fahrt im Schiff ist. Der erste Versuch mit dem Haken die Boje zu fassen scheitert dem entsprechend. Auf der recht hoch gelegenen Pier kommentieren die Zuschauer unser Bemühen. Nach dem die Achterleine schließlich fest ist, versucht Elo auf dem Vorschiff einen Halt an der über Kopf hohen Hafenmauer zu finden. Statt eine Leine anzunehmen drehen sich die zuschauenden Kritiker um und gehen weg. Dies ist wohl nicht die feine Art !! Während ich das Boot von den benachbarten Schiffen abhalte, quält sich Elo die glitschige Mauer hoch und wirft unseren Festmacher über einen Poller.

  

  Kurs Alandinseln

Wir schreiben den 06.08.97 und haben inzwischen 1059 Sm auf dem Log. Eigentlich wollten wir den Botnischen Meerbusen hochziehen, aber die Zeit wird knapp. Der Vogelzug in den Süden ist schon im Gange und in Schweden und Finnland geht die Segelsaison langsam zu Ende. Der Vernunft gehorchend werden wir auf den Alandinsel den Wendepunkt unserer Reise festlegen. Bei einem leichten NNE-Wind und strahlendem Sonnenschein läuft "allez hop" wie auf Schienen durch die ruhige See. "Happy Sailing" . Am frühen Nachmittag haben wir die Ansteuerung nach Mariehamn erreicht.und kreuzen die Fahrinne zum Westhafen hoch. Vor dem Oldtimer der P-Linie, dem Museumsschiff "Pommern" nehmen wir die Segel weg und können ausgebreitet an einem Schwimmsteg festmachen.

 

 Ansteuerung nach Mariehamn  Marina Mariehamn

Nach der unproblematischen Einklarierung machen wir einen ersten Rundgang durch die auf einer Halbinsel gelegenen Hauptstadt der Alandinseln. Entgegen den zuletzt gemachten Eindrücken sind die Leute hier freundlich und hilfsbereit. Von dem Oberdeck der "Pommern" nehmen wir als Zuschauer am Geschehen des "Aland-Cup" teil. An dieser internationalen Mach Race Regatta nehmen die weltbesten Regattasegler teil. Wieder an Bord, wird die Windmessanlage neu justiert, das blockierte Schwertfall gängig gemacht und, und und.... Es gefällt uns so gut hier, dass wir noch einen Tag bleiben. Mit gemieteten Fahrrädern durchstreifen wir die Umgebung. Die Lebensart der Menschen hier unterscheidet sich unseres Erachtens deutlich von der des Festlandes. Wir erleben das Finale des Match-Race und erfahren, dass Mariehamn der Heimathafen der letzten großen Windjammerflotte war. So die für ihre Geschwindigkeit berühmten Schiffe der Flying P-Liner wie die 1957 gesunkene "Pamir" und die Schwesterschiffe "Passat" und "Peking", die heute als Museumsschiffe in Travemünde bzw. New York liegen, und die hier liegende Viermastbark "Pommern".

                                                          Ein komfortabler Liegeplatz

     Ab heute, den 08.08.97 geht es wieder südwärts. Ein Sprichwort sagt: "Sturm kann das Leben kosten, Flaute den Verstand" , soweit wollen wir es nicht kommen lassen. Da sich das Rattern der Maschine leichter ertragen lässt als das Schlagen der Segel, werfen wir den Motor an. Erst am Nachmittag setzt ein leichter ESE-Wind ein und "allez hop" kann wieder atmen. Gemächlich segeln wir durch die noch recht helle Nacht. Zwischendurch tauchen ein paar Robben auf, die uns neugierig beäugen.

 Kurs Gotland

Am nächsten Morgen taucht urplötzlich vor uns eine weiße Wand auf  .... Nebel ... Die Sicht beträgt höchsten 10 Meter!  Radarreflektor einschalten, auf dem Vorschiff Ausschau halten und zur Sicherheit den Motor mitlaufen lassen. In der dicken Nebelsuppe bin ich froh, dass GPs und  Kartenplotter uns eine Gewissheit der jeweiligen Position geben. Plötzlich tönt es vom Bug her: "Ein Schiff". Ich nehme die Fahrt raus, werfe die Schoten los  und haste nach vorn. Mit der Restfahrt treiben wir auf einen kleinen Schatten zu ... und sehen ... eine Ente!  Inzwischen haben wir den Küstenbereich von Gotland erreicht. Allmählich weitet sich die Sicht auf 50 m , später auf 100 m aus. Einige Nebelsignale tuten in der Ferne. Wir blasen jede Minute einmal. Allmählich setzt sich die Sonne gegen den Nebel durch. Um die Mittagszeit erreichen wir bei strahlendem Sonnenschein den Hafen von Visby.

Um die Zeitwende zogen von Gotland der Germanenstamm der Goten aus, um später als Ost- und Westgoten große Reiche im mediterranen Raum zu errichten. Visby, als eine der ersten Hansestädte, wurde Teil des Weltkulturerbes der UNESCO. Die historische Altstadt wird von einer gut erhaltenen Stadtmauer mit der Burg Visborg umgeben. Zur Zeit findet hier die traditionelle Mittelalterwoche statt, an der sich die gesamte Bevölerung beteiligt. Das historische Spektakel mit Ritterturnieren, Konzerten und einem mittelalterlichen Markt, erinnert an die Eroberung von Gotland durch den Dänenkönig im Jahr 1361.

 

Am Morgen des 10.08.97 entrinnen wir dem Getümmel und segeln bei einem mäßigen SSW-Wind dem Südteil von Gotland entgegen und erreichen am späten Nachmittag die Ansteuerung zum Hafen von Burgsvik. Wir hangeln uns durch die enge Fahrrinne hindurch zu dem einsamen Anleger. Da wir das einzige Schiff sind, können wir ausgebreitet längsseits festmachen. Während wir das Boot aufklaren, tauchen zwei ältere Damen an der Pier auf und begrüßen uns fröhlich auf deutsch " Willkommen auf Gotland ". Wir bedanken uns, wechseln unsere Bekleidung und erkundigen die Umgebung.

Welch ein Kontrast, Gestern der Trubel in Visby und heute die magische Ruhe und Einsamkeit. Wir wandern etwas die Küste entlang  und  suchen vergeblich eine Einkaufsmöglichkeit.  Da unsere Proviantreserven knapp sind, suchen wir ein nettes Landgasthaus auf und lassen uns auf das Beste bewirten. Zwischendurch kommt die Chefin des Hauses und erkundigt sich auf deutsch "sind sie zufrieden?".   Es ist dieselbe Dame die uns so freundlich an der Pier empfangen hat. Wieder bestätigt sich unser Eindruck, dass die Insulaner wesentlich netter als die Festlandschweden sind. Als wir uns nach dem bezahlen erheben und das Lokal verlassen, wird die dezente Tischmusik unterbrochen und es ertönt  ... die deutsche Nationalhymne.

 

Um noch bei Tageslicht die Insel Öland zu erreichen (97 sm), legen wir früh ab. Der Wind ist zunächst schwach und dreht von SSW allmählich nach SSE . Wir setzen den mit einer Rollvorrichtung versehenen Genaker und gleiten wie auf Schienen durch die ruhige Ostsee. Es geht uns gut. Am Abend umrunden wir die Südspitze der Insel Öland mit dem Leuchtturm "Lange Hans" und steuern den Hafen von Grönhögen an.

Die Insel ist eine Hochfläche, deren höchste Erhebung 57 Meter über der Meereefläche liegt.  Im Mittelteil der langgestreckten Insel gibt es eine Brücke über den Kalmarsund zum Festland. Typisch sind die vielen Windmühlen und einige Feuchtgebiete.

 

Am nächsten Morgen schiebt uns eine milde SE-Brise gemütlich über den Kalmarsund, zur südostlichen Ecke Schwedens. Ein paar Stunden später liegen wir vor dem idyllischen Felseneiland von Uttklipan. Dieser Schutzhafen wird von einer Schärengruppe gebildet, die je eine Einfahrt von West und von Ost hat. Das hat den Vorteil, dass man den Hafen immer aus Lee anlaufen kann.Allerdings setzt durch die zwei Einfahrten auch ein Strom. Bei der Ansteuerung des ostlichen Eingangs, kommen wir den Klippen recht nahe. Nach der Einfahrt kommt ein kleiner natürlicher Vorhafen, in dem wir die Seitenschwimmer heranziehen. Danach geht es durch ein enges Tor in den Hafen, wo wir längsseits an der Pier festmachen. Abgesehen vom Leuchturmwärter, der auch als Hafenmeister und Fischverkäufer fungiert, ist die Gegend einsam und verlassen. Kein Wunder, dass sich hier Seemöven und Zugvögel in großer Zahl niederlassen. Sie nisten auf den umgebenden Klippen und Felsen. Jeder noch so kleine Fleck ist belegt.

 

 Osteinfahrt  Westeinfahrt

Dieses einsame urige Kleinod hat einen besonderen Reiz. Das von Seevögeln beherrschte Miniparadies ist  ein Ort den man nicht vergessen wird. Als wir uns am nächsten Morgen durch das von Klippen gesäumte Fahrwasser der Westeinfahrt schlängeln, verabschiedet sich am Ende der Pier eine riesige Möve von uns.

Entgegen der Wettervorhersage gestaltet sich die Durchquerung der Hanöbucht -der Biscaya Schwedens- recht friedlich. Anfänglich mit flauem SSW-Wind, dann mit 15-18 Knoten SE, der uns rasch die 55 Meilen voranbringt. Wäre da nicht dieser Seegang, der sich im relativ flachem Wasser chaotisch präsentiert.. Es ist ein unheimliches Schütteln und Schaukeln, das meinem Magen gar nicht gefällt. Nachdem wir die Stromkabbelungen überwunden haben, liegt der Hafen von Simrishamn vor uns. Hier ist alles überfüllt und wir werden wegen unseres variablen Tiefganges in die hinterste Ecke verwiesen. Dieses kleine Fischerdorf beherbergte bis in die Achtziger Jahre die größte Fischereiflotte Schwedens. Als Richtpunkt für die Schifffahrt gilt schon immer die schon 1161 erwähnte Kirche St. Nicolai.

Pünktlich nach dem Aufstehen finden wir die am Abend bestellten Brötchen am Bugkorb hängend. Gesättigt und guter Dinge versuchen wir aus der engen Flachwasserzone herauszukommen. Ruder und Schwert sind jetzt halb gefiert. Wir hangeln uns zunächst per Hand zur Boxengasse, dann geht es langsam rückwärts mit Motor. Nach einigen Metern rumst es zweimal kräftig und wir werden abruppt abgebremst. Wir haben mit dem Schwert eine ungesunde Grundberührung. Wir nehmen Schwert und Ruder etwas höher und kommen wieder frei. Das Schwert hat eine tiefe Macke abbekommen.    Der Wind kommt mit 12-14 Knoten (4Bft.) aus NW und dreht später nach WSW. Der Himmel ist wolkenlos. Mit guter Fahrt segeln wir an der Schwedischen Südküste entlang. Mehrere große Vogelschwärme ziehen an uns vorüber. Ein Fischer entleert seine Fischreste ins Meer und wird von einem riesigen Mövenschwarm begleitet. Gegen Abend sind wir in Gislövsläge.

Nach einigen Verhandlungen können wir uns hinter den Fischerbooten längs an die Pier legen. Beim obligatorischen Spaziergang durch das Dorf, fällt uns auf, dass die Schweden viel Platz zum Wohnen haben. Es ist als wohnen sie in einem Park. An der Trelleborg Brygge finden wir ein Restaurant, das uns bestens versorgt.

Am 15.08.97 ist es schwachwindig und wir beschließen die Abkürzung durch den knapp zwei Meilen langen Falsterbo-Kanal zu nehmen. Das erspart uns den Umweg um die Halbinsel Falsterbo. Bei gedrosselter Fahrt nähern wir uns der geschlossenen Kanalbrücke. Die sich jedoch nach kurzer Wartezeit öffnet und uns passieren lässt. 

Auf der Höhe von Malmö herrscht ein reger Verkehr. Große Containerschiffe ziehen nach Nord oder Süd und schnelle Fähren queren den Öresund. Am Rande des Verkehrstrennunggebietes ziehen wir an Kopenhagen vorbei. Bei einigen Kleinreparaturen bekomme ich plötzlich starke Schmerzen im Brustraum. Mir bleibt die Atmung weg, ich taumle und bin völlig außer Dienst. Elo steuert den Hafen von Rungsted an. Nach längerer Suche, machen wir in dem überfüllten Yachthafen an einem Begrenzungspfahl am Kopf eines Steges fest. Elo fragt in der Hafenmeisterei nach einem Arzt. Nach kurzer Zeit erscheinen zwei Sanitäter, die mir helfen vom Boot zu steigen. Ich werde auf eine Trage gelegt und mit Blaulicht in ein Krankenhaus gebracht. Nach gründlicher Untersuchung kann ein Herzinfarkt ausgeschlossen werden. Ich bekomme ein Schmerzmittel und kann nach ein paar Stunden Bettruhe wieder zum Schiff zurück. Als ich die Behandlungskosten bezahlen will, wird dies mit Nachdruck zurückgewiesen. Das dänische Gesundheitswesen macht´s möglich.

Am nächsten Tag geht es mir schon etwas besser und ich kann mit Hilfe eines Fenders (Mobilisieren blockierter Rippengelenke) Atmung und Schmerz verbessern. Wir genehmigen uns am Abend ein Essen im Restaurant des Yachtclubs. Als wir in legerer Kleidung  den Speiseraum betreten, schaut man uns etwas befremdet an. Die Damen sind mit edler Garderobe und die Herren mit Blacer und weißer Hose gewandet. Wir fühlen uns deplaziert und wollen wieder gehen. Doch gnädig gewährt man uns einen abgelegenen Platz. Bei den Gesprächen der Klubmitglieder handelt es sich überwiegend um Motorstärken Yachtdesign und Geld. Mein Vorurteil gegenüber Motorbootfahrern wird durch die Arroganz derselben, nicht gerade verringert. Im Übrigen ist das Menü entsprechend übersichtlich und überteuert.

Unser Notliegplatz zwischen den Begrenzungspfählen will uns nicht loslassen. In der Nacht ist der Wasserstand deutlich gefallen und hat den Backbordschwimmer eingeklemmt. Da das Wasser weiterhin fällt, ist eine Querverbindung zum Beam gefährdet. Mit einigen Hilfsmitteln und großem Kraftaufwand können wir glücklicherweise wieder frei kommen. Schweißgebadet legen wir  ab. Bei einer 12 Knoten starken SE-Brise geht es nordwestwärts gut voran. Der Öresund trennt Schweden von der dänischen Insel Seeland. An der 4 km breiten Engstelle passieren wir die in Bau befindliche Öresundbrücke und bleiben wegen des starken Schiffsverkehrs am Rande der Schifffahrtrasse.

 Zum späten Nachmittag erreichen wir den an der Spitze der Halbinsel Kullen befindlichen Hafen von Mölle. Nach dem Anlegen sind wir erstaunt von der Klarheit des Wassers. Zum ersten Male auf dieser Reise kann man auf 4 m Wassertiefe den Grund sehen. Hier im Kattegat ist der Wasseraustausch eben noch in Ordnung. Das Seebad von Mölle hatte als erstes Bad erlaubt, dass Damen und Herren gleichzeitig baden durften, was damals ein Skandal war. Wie sich die Zeiten ändern.

 

Heute, am 18.08.97 haben wir die am weitesten vom Festland entfernte Insel der Ostsee, nämlich Antholt im Visier. Sie liegt mitten im Kattegat und ist bei Seglern beliebt. Mit Unterstützung eines SSE-Windes von 11 Knoten können wir nach 6 Stunden den Radarturm der Insel in die Peilung nehmen. Trotz der Betonung ist bei der Ansteuerung wegen den sich ständig verändernden Sandbänken Vorsicht geboten. Nach 8 Stunden können wir vor Heckanker und zwei Vorleinen im Hafen festmachen. Die zu Dänemark gehörende Insel besteht aus einer Heide-, Gras- und Dünenlandschaft und steht weitgehend unter Naturschutz. 26° C Luft und 24° Wassertemperatur, sowie das glasklare Wasser machen das Baden hier zum Genuss.

 Hafen Anholt  Heide- Dünenlandschaft Strand

Bei strahlendem Sonnenschein und 10 Knoten E-Wind machen wir früh die Leinen los und segeln dem Ausgangspunkt unserer Reise entgegen. Mit dem Wetter haben wir bisher großes Glück gehabt. Von einigen Starkwindphasen abgesehen war der Wind sehr moderat. Kaum Regen und für Ostseeverhältnisse viel Sonne. Trotz einigen Problemen mit der Technik haben wir mit dem neuen Schiff viel Spass. 

Früh am Nachmittag haben wir die Insel Ballen erreicht, wo wir an der Südpier festmachen. Nach der Anmeldung werden wir angewiesen im Päckchen anzulegen. Der Tag wird gekrönt durch einen schönen Abendhimmel.

Unsere Reise geht am 21.08.97 zu Ende und unser "allez hop" Tri will uns nochmal zeigen was er kann. Der Wind kommt aus SE mit 13 bis 17 Knoten (4-5 Bft.) die Seegangstärke liegt bei vier. Mit 12-15 Knoten Speed nähern wir uns der Durchfahrt zum kleinen Belt, fahren unter den Verbindungsbrücken zwischen Jütland und Fünen hindurch und sind ruck-zuck in unserem Endhafen der Reise in Skaerbaek. 

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Reisedaten:

41 Fahrtage  / 11 Hafentage

zurückgelegte Strecke: 2.219 Seemeilen

unter Segel: 1.688 Seemeilen = 74 %

unter Motor:  531 Seemeilen = 24 %

durchschnittlich 54,2 Seemeilen pro Fahrtag

maximale Geschwindigkeit = 16,6 Knoten

Route:

  Autor Willy Dumont

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